Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1872020
Zweites Capitel. 
öffentlichen Gebäude wiederfinden, denen Vitruv am Forum ihren Platz an- 
weist. YVir fassen zunächst das Forum in seiner Gesammtheit in's Auge und 
werden auf die einzelnen etzt zu nennenden Gebäude gehörigen Ortes zurück- 
kommen. 
Vitruv berichtet uns, dzrss nach griechischer Sitte das Forum ein Quadrat 
bildete, schreibt aber für italische Städte, ohne Zweifel im Anschluss an das 
von Alters her übliche, eine längliche Form vor. Als Grund giebt er an, dass 
diese Form zum Zuschauen bei Gladiatorenspielen geeigneter sei ; wir erinnern 
uns dabei, dass ja auch die Amphitheater nicht rund, sondern oblong angelegt 
wurden. Das von ihm vorgeschriebene Verhältniss von 2 : 3 ist freilich am 
pompejanischen Forum nicht eingehalten: es ist lang (im Westen) 151, 60 M., 
breit, einschließlich der Säulenhallen (im Süden) 47,66 M. Die von den Hallen 
umgebene unbedeckte Fläche ist lang 142, 51 M., breit 38,48 M., einschließlich 
der den Hallen vorliegenden Stufe. 
Das Forum Pompejis war zur Zeit des Unterganges keineswegs eine nach 
einem einheitlichen Plane durchgeführte und vollendete Anlage. Vielmehr 
standen neben einander Reste aus ganz verschiedenen Zeiten, welche nach 
einander, ganz verschiedenen Geschmacksrichtungen folgend, an der Aus- 
schmiickung des Platzes gearbeitet hatten. Und zwar war die letzte Phase 
dieser Entwickelung noch nicht zum Abschluss gekommen : in Folge des Erd- 
bebens vom Jahre 63 n. Chr. hatte man eine durchgreifende Umgestaltung 
begonnen und War im Jahre 79 noch in voller Arbeit begriffen. Wir werden 
also die uns vorliegende Gestalt am besten verstehen, wenn wir uns ihre Ent- 
wickelung, so weit dies möglich, zu vergegenwärtigen suchen. 
Von den vielen Säulenbauten Pompejis gehört keine der ältesten uns 
erkennbaren Bauperiode (Zeit der Kalksteinatrien) an; die ältesten derselben 
tragen den Stempel der folgenden Periode Ufuffperiode), der Zeit nach dem 
hannibalischen Krieg und es ist wohl sicher, dass erst diese Zeit anfing, die 
Stadt, und zwar in ausgedehnter Weise, mit Säulenhallen zu schmücken. S0 
müssen wir auch annehmen, dass das Forum nicht von Anfang an ein solcher 
säulenumgebener, gegen Wagenverkehr abgeschlossener Platz, gleichsam ein 
Festsaal unter freiem Himmel war, sondern dass sich hier ursprünglich ein 
einfacher, von Fahrstraläen begrenzter und durchschnittener Platz, ein Haupt- 
kreuzpunkt wichtiger Straßen befand. Das Straßennetz ist alt; und da sich 
die Straßen durchaus nicht rechtwinkelig schneiden, so war die Form des 
Platzes vermuthlich damals nicht eben sehr regelmäßig, und es mag wohl, 
trotz aller späteren Umgestaltungen, hiermit zusammenhängen, dass noch jetzt 
die meisten der anliegenden Gebäude eine von der Axe des Forums abweichende 
Orientirung zeigen. Auch war das Forum damals schwerlich planirt, sondern 
wird sich zu der es nördlich begrenzenden, jetzt über Stufen zugänglichen 
Straße in allmählicher Steigung erhoben haben. 
Die Tuffperiode, eine Zeit der lebhaftesten Bauthätigkeit, hat, wie ldie 
ganze Stadt, so auch das Forum in durchgreifendster Weise umgestaltet. 
Nachdem an die Stelle einfacher Kalksteinatrien große Paläste mit stattlichen 
Peristylien getreten waren, nachdem die Tempelhöfe Säulenhallen erhalten 
hatten, konnte auch das Forum nicht in seiner alten, einfachen Gestalt fort-
        

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