Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1871950
Die Befestigungswerke, 
Mauern, 
Thürme und Thore. 
etwa 1,80 M. von der äußern Front entfernt, findet sich auf jeder Seite ein mit 
weißem Stuck sorgfältig ausgestrichener Falz, von dem man anzunehmen pflegt, 
dass sich in ihm ein Fallgatter bewegte. Dies kann aber kaum je zur Anwen- 
dung gekommen sein, da sonst der Stuck nicht so unbeschädigt sein könnte. 
Überhaupt aber ist die Annahme nicht ohne Bedenken, dass man diese beschwer- 
liche Art des Verschlusses hier angebracht haben sollte, während die beiden 
Eingänge für Fußgänger an dieser Stelle gänzlich unverschlossen blieben- 
Die Bestimmung der Falze ist dann unbekannt. Gegen die Stadt war der 
Fahrweg, am äußern Ende des innern Durchganges, durch eine Thür ge- 
schlossen, und Thüren, deren Angellöcher erhalten sind, schlossen auchldie 
Fußwege. Auch dies Thor ist offenbar kein Befestigungsthor, sondern diente 
nur polizeilichen Zwecken und um der Stadt einen stattlichen Zugang zu 
geben. 
Das Mauerwerk (Opus incertum mit Ecken, in denen immer drei Ziegel 
mit einem ziegelförmigen Haustein wechseln) kann nicht wohl viel älter 
sein als die Zeit des Augustus; die Stuckbekleidung, vermuthlich der Erbauung 
gleichzeitig, zeigt unten einen hohen schwarzen Sockel, oben ist durch pla- 
stische Stuckarbcit in XVeiß eine Marmortäfelung nachgeahmt: letzteres ein 
jener Zeit sonst fremdes, hier im Anschluss an die Decoration der Thiirme zur 
Anwendung gekommenes Motiv. Offenbar ist dies Thor an die Stelle eines 
ältern Thores getreten, welches etwas weiter westlich lag: gleich inner- 
halb des Thores finden wir noch einen Rest des Fußweges, wie es vor dem 
Neubau war; dasselbe liegt 0,85 M. westlich von der Westmauer des Thors. 
Diese Beobachtung ermöglicht es uns, mit Hilfe der für den Hinausgehen- 
den links am Wege liegenden Gräber, die Zeit des Thorbaues näher zu be- 
stimmen. Während nämlich das Grab des M. Porcius, des Erbauers des 
kleinen Theaters und des Amphitheaters (auf unserem Plane nur zur Hälfte 
sichtbar). offenbar an der aus dem alten Thor kommenden Straße lag, setzt die 
anstoßende halbrunde Bank und ebenso die gleich am Thor liegende Grab- 
nische deutlich den Neubau voraus. Nun ist diese Bank älter als die nach- 
träglich hinten an sie angesetzte Basis der Statue des M. Veius, welcher tribu- 
bmzus militum a populo heißt, ein nach der Zeit des Augustus nicht mehr 
vorkommender Titel. Auf Grund dieser Daten dürfen wir den Thorbau 
schwerlich später ansetzen, als die erste Zeit des Augustus, und so ergiebt sich 
uns, mit Berücksichtigung des Mauerwerks, der Regierungsantritt dieses Kai- 
sers als ungefähre Zeitbestimmung desselben. 
Den heutigen Zustand dieses Hauptthores von Pompeji stellt die Abbil- 
dung nach S. 54 in Außenansicht dar. Die kleine Nische rechts ist es, in der 
man das Skelett eines Soldaten gefunden haben will (S. 21); in YVahrheit ist 
sie, wie wir unten sehen werden, ein Grabmal. Links sind die Reste eines 
andern Grabmales sichtbar. Die zweite, hierneben stehende Abbildung 
giebt die innere Ansicht. auf welcher die Seiteneingänge von den Neben- 
thoren in den innern Hof deutlich sichtbar sind. Das Gebäude gleich rechts 
ist eine Schenke (Thermopolium). Endlich die dritte, diesem Capitel vor- 
geheftete Ansicht giebt eine einfache und deshalb wahrscheinliche Restaura- 
tion der Außenseite (nach Mazoisju). _
        

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