Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Handwerk in Japan
Person:
Brinckmann, Justus
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1867160
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1868361
Die 
Japaner. 
Gartenkunst der 
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flocht. Ein anderes Wunder dieser Art, dessen Ueberreste jetzt im 
botanischen Museum zu Kew zu sehen sind, bestand aus einer kleinen 
Retinospora, deren Zweige wie bei den Zwergpflanzen üblich, hin- und 
hergebogen, und in Abständen von etwa einem Zoll mit Pfropfreisern 
besetzt waren, die sich fast alle zu kleinen Büscheln entwickelt hatten. 
Andere Beispiele beschreibt Morse. Er sah u. A. einen über 
vierzig Jahre alten Mume-Baum, dessen dicker, drei Fufs hoher Stamm 
mit einem Schopfe trauerweidenartig herabhängender Zweige gekrönt 
war, an denen sich die köstlichsten Blüthen in voller Ueppigkeit ohne 
eine Spur des Kränkelns entfaltet hatten. Ein andermal eine Kiefer, 
Welche bei nur zwei Fufs Höhe ihre dichte Krone zu einer regel- 
mäfsigen, flach gewölbten Scheibe von zwanzig Fufs Durchmesser aus- 
breitete; eine andere Zwerg-Kiefer, deren dicker krüppeliger Stamm 
eine Menge knorriger zweigloser Aeste aussandte, an deren Enden 
sich flache, schüsselförmige Nadelpolster entfalteten. 
Das merkwürdigste Beispiel des Erfolges der japanischen Gärtner 
in der Erziehung monströser Pflanzen verdanken wir jedoch Siebold, 
dem im Jahre 1826 ein Gärtner einen in voller Blüthe stehenden Mume- 
Baum von kaum drei Zoll Höhe anbot. Dieses Liliputbäumchen wuchs 
in der obersten der drei Abtheilungen einer Lackdose von der Form 
der Inro, welche die Japaner an den Gürteln tragen. In der mittleren 
Abtheilung wuchs eine ebenso kleine Tanne und in der unteren grünte 
ein nur anderthalb Zoll hoher Bambus als dritter im Bunde dieser „drei 
Besieger des Winters", deren Dreiheit, "Slzo-clzzkzz-bai" genannt, das 
beliebteste unter allen Pflanzenmotiven der japanischen Zierkunst. 
Von dem in Vielen Gärtchen der Bürgerhäuser herrschenden 
Geschmack giebt Baron Hübner anläfslich seines Besuches der Bäder 
von Miyanöshita eine anschauliche Schilderung. In dem Thal, an dessen 
Abhang die Bäder liegen, sieht man ringsum nur dichtbewaldete Berge. 
Allüberall Grün, aus dem nur die grauen, von rothen Pfeilern getra- 
genen Dächer der Häuser auftauchen, hier und da unterbrochen von 
dem Weifs der papiernen Schiebewände. Anstatt der Wege, aus dem 
granitnen Fels gehauene Stufen. Rund um die Häuser am Abhang 
kleine Gärten, über deren Absätze feine Fäden klaren Wassers sprudeln. 
Kleine Eichen, kleine Tannen, kleine verkrümmte, verdrehte, gequälte 
Kiefern beschatten sie. Kleine Brücken, aus einem einzigen Stein 
gehauen, spannen sich über künstliche Giefsbäche. Ein Geschmack, 
gegen den sich, wie Hübner sagt, Einwendungen machen lassen, eine 
Anlage, die von Kindlichkeit nicht freizusprechen,  aber dennoch 
Phantasie und harmonische Verhältnisse. Blickt man vom Balkon eines 
der Häuser in einen solchen Garten, so macht er die Wirkung eines 
Parkes, aber- da spaziert ein junges Mädchen, und wir sehen, sie ist
        

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