Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Handwerk in Japan
Person:
Brinckmann, Justus
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1867160
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1868292
Kunst 
Handwerk 
und 
Japan. 
jener schönen Art der geschnitzten Intarsia, welche die Japaner übten, 
lange bevor die Egerer Meister sie bei uns zur Specialität erhoben. 
Die Decke ist in hundert kleine Felder gegliedert, deren vier mittlere 
das grofse dreiblättrige Wappen der Tokugawa ausfüllt, umgeben von 
drei Reihen, abwechselnd mit fliegenden Kranichen und langbefransten 
Schildkröten als Sinnbildern langen Lebens gefüllten Feldern und einer 
vierten Felderreihe mit Chrysanthemum-Stauden. 
Ganz ähnlich dem beschriebenen Nebengemach zur Rechten der 
Halle ist auch der zweitheilige Nebenraum zur Linken. Doch treten 
hier an die Stelle jener Relief-Intarsien mit Foho-Vögeln ebenso grofse 
Fülltafeln mit geistvoll geschnitzten Adlern auf Felsen am Meeresufer, 
auf knorrigen Stämmen alter Eichen, einen Hasen in den Krallen 
davontragend. Die Decke über dem Adler-Gemach zerfällt gleichfalls 
in hundert Felder, in deren vier mittleren hier eine jener Apsara ge- 
nannten Musikantinnen des Himmels schwebt, während grofse Chrysan- 
themum-Blüthen die umgebenden Felder füllen. 
Der Raum mit dem grofsen Wappen der Tokugawa war unter 
der Herrschaft dieses ShÖgunen-Geschlechtes für das Haupt desselben 
bestimmt. Was in jener Zeit von buddhistischem Tempelgeräthe die 
Halle noch füllen mochte, ist vor dem jetzt dort aufgestellten gold- 
papiernen Gokez entwichen, neben dem nur noch ein kreisrunder 
Spiegel Gnade gefunden hat. 
Von dem Mittelraume führen hinten einige Stufen in einen Gang, 
durch den man die goldenen Thüren der in geheimnifsvoller Abge- 
schlossenheit gehaltenen Kapelle -H01zden  erblickt. In dem ersten ihrer 
vier Räume steht ein vom Mikado selbst dargebrachtes vergoldetes Galzez 
und ein anderes von Seide, Welches er bei seinem jüngsten Besuch 
dieses Nationalheiligthums im Jahre 1876 hier gewidmet hat. Von dem 
letzten Raum, dem Allerheiligsten, vermuthet Satow, dafs in ihm das 
f-luzz oder die Gedächtnifs-Tafel mit dem göttlichem Namen des Yeyas 
bewahrt werde. 
Mit dieser Stufenfolge von Tempeln, einer immer herrlicher als 
der andere, sind die baulichen Wunder Nikkds lange nicht erschöpft. 
Noch mehrere Tempelgehege mit allem Zubehör, davon eines auch 
noch in buddhistischem Betriebe belassen, reihen sich in den benach- 
barten Hügeln jenen Hauptbauten würdig an. 
In der geschilderten Anlage ein glänzendes Beispiel vor Augen 
zu haben, mufs uns hier genügen. Mit den Nikko-Tempeln ist allen 
buddhistischen Tempeln gemeinsam ihre wunderbare Anpassung an die 
Natur des Landes. Eingeleitet und begleitet von zahlreichen, den 
Zwecken eines entwickelten Gottesdienstes gewidmeten Nebenbauten, 
mit diesen umhegt von reich geschmückten, überdachten Mauern, deren
        

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