Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Handwerk in Japan
Person:
Brinckmann, Justus
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1867160
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1868221
Die 
Baukunst 
Dienste 
des 
Cultus. 
Mannes das klassische Beispiel einer Tempel-Anlage, welche, obwohl 
dem Grundgedanken nach shintöistisch, alle Herrlichkeiten der bud- 
dhistischen Bau- und Zierkunst auf das schönste und reichste entfaltet 
zeigt. Leider sind auch die Nikko -Tempel theilweise "purificirt" 
worden! 
Der Weg zu den Nikko-Tempeln kreuzt den zwischen Felsen 
rauschenden Daiya-gawa. Zwei Brücken führen hinüber, die eine, aus 
rothgelacktem Holzwerk auf Steinpfeilern, hebt sich prächtig von dem 
grünen Dunkel der Cryptomerien am jenseitigen Ufer. Geschlossene 
Thore an beiden Enden Wehren den Uebergang, denn seit ihrer Er- 
bauung im Jahre 1638, jllzlNaskz; die Brücke schlechthin genannt, wurde 
sie nur vom Shögun, wenn er an dem Grabe seines Ahnherrn beten wollte, 
überschritten und auch jetzt noch öffnen sich ihre Thore nur zweimal 
im jahre den Pilgern. Eine Strecke stromabwärts spannt sich eine 
bescheidenere Brücke für den Alltagsverkehr über den Flufs. jenseits 
steigen wir durch den Cryptomerienhain an Klostermauern entlang den 
Abhang hinauf, vorüber an einer den drei Buddhas Amida, Nio-rai und 
Kwan-non in doppelter Gestalt geweihten Tempelhalle, neben welcher 
sich ein eigenthümliches ehernes Denkmal erhebt, das im Jahre 1643 
dem Yeyas errichtet worden ist. Es besteht aus einer zwölf Meter 
hohen Erzsäule, welcher vier halb so hohe und mit ihr durch wage- 
rechte Erzbalken verbundene Säulen als Streben dienen. Oben auf 
der Säule erheben sich übereinander sechs, in eine Knospe endigende 
Lotoskelche, von deren Blumenblättern Glöckchen herabhängen. Am 
Haupt der Säule, dicht unter dem ersten Lotoskelche erglänzt das 
goldene Wappen der Tokugawa. Breite Stufen führen weiter hinauf 
zwischen niedrigen Steinwällen durch eine Cryptomerien-Allee bis zu 
einem schmucklosen granitenen Galgenthor nach Art der Torii der 
Shintö-Tempel. Die Inschrifttafel, welche Jahrhunderte hindurch in der 
Mitte des steinernen Querbalkens dem Nahenden den göttlichen Namen 
des Yeyas: T oslzo-Dai-Gongen kündete, hat jetzt den Puristen der 
Staatsreligion Weichen müssen. Verwitterte, bemooste Steinlaternen 
empfangen den Eintretenden, geradeaus führt ein mit Steinplatten be- 
legter Weg zu der steinernen Treppe, welche von dem nThor der 
zwei Könige", ZVi-o man, gekrönt wird; zur Linken erhebt sich die 
berühmte Pagode mit ihren fünf Geschossen unter ebensovielen ge- 
schweiften, Weitschattenden Dächern von achtzehn Fufs Seitenlänge zu 
einer Höhe von über hundert Fufs. Die Geländer der jedes Geschofs 
umgürtenden Balkone, die zahlreichen Consolen der Dächer leuchten 
in vielfarbiger Bemalung. 
Der Thorweg, den wir durchschreiten um in den ersten der 
vier am Abhang des Berges terrassenartig aufsteigenden Tempelhöfe
        

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