Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Handwerk in Japan
Person:
Brinckmann, Justus
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1867160
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1868142
Die 
Baukunst 
Dienste 
des 
Cultus. 
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erhalten sie einen rothen Anstrich; auch kommen steinerne oder eherne 
Torii vor, niemals aber sind sie mit Schnitzereien oder anderem Zier- 
Werk geschmückt. Höchstens dafs in ihrer Mitte eine den Namen des 
Kami tragende Tafel hängt. 
Aus dem lichten Grün der Reisfelder oder dem dunkelen Ge- 
büsch der immergrünen Tempelhaine einzeln oder gereiht aufragend 
oder von den riesigen Nadelbäumen der Tempel-Alleen überschattet, 
sind diese eigenartigen Galgenthore ein auffallender Zug in der japa- 
nischen Landschaft und dienen so den decorativen Künsten als eine 
jedermann verständliche Andeutung der Nähe eines heiligen Ortes. 
Einfach und schmucklos wie die äufsere Erscheinung ist auch 
das Innere des jllzjza. Ein hinterer stets verschlossen gehaltener Raum 
enthält das Emblem der Gottheit, ein vorderer, offener das Golzei, 
einen Stab mit einem Wedel weifser, aus einem Stücke zusammenhän- 
gend geschnittener Papierstreifen. Der Ursprung dieses Golßez" wird 
verschiedentlich gedeutet; während die Einen seine W edelgestalt sinnbild- 
auf die Verscheuchung unreiner Einflüsse beziehen, finden die anderen 
in ihm eine Erinnerung an alte vergessene festliche Bräuche, bei Wel- 
chen man mit Zeugstreifen behängte Zweige des von den ShintÖ-Be- 
kennern heilig gehaltenen SakakzlStrauches (Cleyera japonica) dar- 
brachte und das Jahr über in den Tempeln beliefs. Die neuere Richtung 
der Lehre, Welche die vermeintlich alten Bräuche wieder zur Geltung 
zu bringen sucht, hat in diesem Sinne auch die Darbringung von 
Streifen farbiger Gewebe in Mode gebracht. In manchen Tempeln ent- 
hält der den Gläubigen geöffnete Raum auf einem einfachen Tischchen 
von Hinoki-Holz noch einen metallenen Spiegel. Dieser soll jedoch nur 
durch den Einflufs der buddhistischen Shingon-Secte hier seinen Platz 
gefunden haben und mit jenem, auf den alten Sonnencult bezüglichen 
Spiegel nichts gemein haben, welcher als Emblem der Gottheit 
dem Laienauge verborgen im Allerheiligsten der Miya vieler Shintö- 
Tempel bewahrt wird. Ein anderes häufig zur Schau gestelltes Emblem 
ist die Kugel aus Bergkristall, Tama, welche Reinheit, Tiefe und Macht 
der Kami versinnlichen soll oder als Sinnbild der Seele gedeutet wird. 
Ein Paar Vasen mit Zweigen des immergrünen Sakaki-Strauches voll- 
enden die bescheidene Ausstattung des Heiligthums. 
Gewöhnlich steht vor dem Miya ein zweites kleines Gebäude, 
die Gebethalle, Hazkien, bald von ihm getrennt, bald durch einen Ver- 
bindungsbau mit ihm vereinigt, bisweilen nur ein einfaches Schutzdach 
auf vier Pfosten. An dieser Halle hängt jene Schelle, durch deren 
Läuten die Gläubigen die Aufmerksamkeit des Kami wecken, eine 
Sitte, welche uns die im japanischen Kunstgewerbe nicht selten als 
Ziermotiv benutzte Schelle am Seil verständlich macht.
        

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