Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Handwerk in Japan
Person:
Brinckmann, Justus
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1867160
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1868133
und Handwerk in 
Kunst 
Japan. 
Mauerlatte endigten. Dieses Sparrenwerk wurde nun mit Stroh be- 
deckt und, um letzterem Halt zu geben, legte man noch zwei Bäume 
in die Gabeln der Giebel, und quer über diese Bäume in gleichen Ab- 
ständen kurze Scheite, die jederseits mit den in den Aufsenwinkeln 
der Gabeln befestigten Dachlatten mittelst durch das Stroh gezogener 
Seile fest verbunden wurden. 
Von dieser angeblichen Urhütte soll die Bauweise der Shintö- 
Tempel abgeleitet worden sein. In ihrer reinsten Form haben die- 
selben sogar das Strohdach bewahrt. Bei einigen Tempeln ragen die 
Köpfe der Giebelsparren, in deren Gabelung der Firstbalken liegt, 
hoch über den First hinaus, und sind dann, ähnlich den Pferdeköpfen 
niederdeutscher Bauernhäuser, durch Schnitzwerk verziert. In anderen 
Fällen treten die Köpfe der Sparren nicht zu Tage; die Stelle der 
durch ihre Kreuzung gebildeten Gabel nehmen X-förmige Stücke ein, 
welche auf dem Firstbalken sitzen "wie ein Packsattel auf einem Pferde- 
rücken". Die Scheite, welche die beiden auf dem Firstbalken lagern- 
dern und zur Befestigung des Strohes dienenden Bäume in ihrer Stel- 
lung halten, haben die Form kurzer, gegen die Enden verjüngter Walzen 
erhalten. Die Urhütte entbehrte der Dielung, dem Tempel aber hat 
man eine solche in der Höhe einiger Fufs über dem Erdboden ge- 
geben, was wieder die Anlage eines balkonartigen Umganges um das 
Gebäude und einer Treppe im Gefolge hatte, welche zu der nicht 
unter dem Giebel, sondern inmitten einer der Breitseiten angebrachten 
Thür hinaufführte. 
In der Wirklichkeit ist diese theoretische Form des Jllzjla, des 
"Verehrungswürdigen Hauses" wie der Shintö-Tempel zum Unterschied 
von dem T ewz, dem Buddhisten-Tempel genannt wird, vielfach durch den 
Einflufs der tiir den letzteren üblichen, reicher ausgebildeten Bauweise 
beeinflufst worden. Nur wenige Tempel können als im reinen Shintö- 
Stile erbauet gelten. 
Bezeichnend dafür, dafs ein Heiligthum dem Dienste eines Kami 
geweiht, sind die an der zu ihm führenden Strafse und am Eingang 
ihrer Gehege aufgerichteten Galgenthore, deren Name T 0rz'z' "Vogel- 
ruhe" aus ihrer angeblichen Bestimmung als Ruheplatz für die Tempel- 
hähne gedeutet wird, ohne dafs damit ihre bauliche Entstehung und 
Erhebung zur Würde eines Portales aufgeklärt wäre. Sie bestehen aus 
zwei hohen runden, in die Erde gerammten Pfosten, welche oben durch 
zwei Querbalken verbunden sind, deren oberer und stärkerer beider- 
seits die Pfosten überragt. Der Durchgang bleibt in der Regel frei, 
nur ausnahmsweise Wird er mit einem Gitter verschlossen. Die Torii 
der reinen Shintö-Tempel sind wie diese selbst aus schlichtem Hinoki- 
Holze gezimmert. Bisweilen, so bei den Tempeln des Reisgottes Inari,
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.