Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Handwerk in Japan
Person:
Brinckmann, Justus
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1867160
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1868125
Die 
Baukunst 
Dienste 
Cultus. 
liebevoll zu beobachten und als seiner Kunst nicht unwürdige Gegen- 
stände zu schätzen, ihren Darstellungen gern recht oft zu begegnen. 
Nicht überall freilich, wo die Lehren Gautama's Wurzel fafsten, sind 
ihre, das Thierleben achtenden Vorschriften auf gleich fruchtbaren 
Boden gefallen. Es bedurfte erst des kindlichen Sinnes der Japaner, 
ihrer naiven, von Ueberschwang freien Hingebung an die bescheidenen 
Reize des Alltagslebens, um sie zu Meistern auf einem Gebiete zu 
machen, welches, trotzdem es uns Abendländern erst in neuester Zeit 
und vorwiegend durch den Einflufs japanischer Vorbilder erschlossen 
worden, uns doch anmuthet, als sei es ein Ausflufs unseres eigensten 
WVesens. 
Die Eigenthümlichkeiten beider Religionen spiegeln sich natur- 
gemäfs in der Anlage und Ausschmückung der Tempel ihrer Bekenner 
wieder. In seiner abstracten Reinheit hat sich aber der alte Shintö- 
Tempel, wie ihn die japanische Alterthumswissenschaft schildert, nur 
in wenigen Fällen erhalten. Die meisten Shintö-Tempel sind, wenn 
nicht in der einfachen Anlage, so doch in der künstlerischen Aus- 
schmückung durch das glänzende Vorbild der Buddha-Tempel beein- 
flufst worden. 
Der Tempel des reinen ShintÖ meidet jegliche äufsere Verzierung 
durch Schnitzwerk oder Bemalung. Er soll der Theorie nach die Ur- 
Hütte des Japaners, aus welcher er ursprünglich hervorgegangen, 
Wiedergeben und aus dem edelsten Holze, am besten dem des [Jinokzl 
l3aumes  der Chamaecyparis obtusa  errichtet, sein Dach mit Rinde 
oder Stroh gedeckt werden. 
Nach der Annahme japanischer Alterthumsforscher Wurden die 
Behausungen ihrer Vorfahren aus, ihrer Rinde nicht entkleideten, mit 
Binsen oder den zähen Ranken der Wistaria verbundenen Stämmen 
junger Bäume errichtet und mit Grassoden bedeckt. Erst in jüngerer 
Zeit kam die Sitte auf, die Pfosten des Hauses durch Unterlage grofser 
Steine gegen die Feuchtigkeit des Bodens zu schützen, während sie 
vordem in die Erde eingegraben wurden. Der Grundrifs der Hütte 
hatte die Form eines Rechtecks mit vier Eckpfosten und einem höheren 
Pfosten zur Unterstützung des Firstbalkens inmitten der schmalen 
Giebelseiten. Andere Bäume waren an den Breitseiten als Mauerlatten 
wagerecht über den Eckpfosten befestigt. Je zwei starke Dachsparren 
verbanden die Eckpfosten mit dem Giebelpfosten und bildeten durch 
ihre Kreuzung eine Gabel, in welcher der Firstbalken lagerte. Auf 
die Böschungen des Daches wurden sodann wagerechte Latten dem 
Firstbalken gleichlaufend und zwar das erste Paar in den Aufsenwinkeln 
der Giebelkreuzungen befestigt. Als Sparren dienten leichte Latten oder 
Bambusstämme, Welche oben den Firstbalken überragten, unten an der
        

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