Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Handwerk in Japan
Person:
Brinckmann, Justus
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1867160
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1868118
Kunst 
und 
Handwerk 
Japan, 
Oberen ab, durften kein Fleisch essen, keine gegohrenen Getränke 
trinken und mufsten sich strengen Fasten unterwerfen. Ihre Zeit 
brachten sie mit dem Lesen der heiligen Bücher, dem Absingen von 
Psalmen, dem Drehen der Gebetmühle zu oder sie versenkten sich 
im Geiste des Stifters ihrer Religion in Nachdenken über die Räthsel 
und Ziele des Daseins. Daneben fanden sie in den täglichen Verrich- 
tungen des Cultus und in der Predigt, in den feierlichen Handlungen 
bei Geburten, Heirathen und Sterbefällen, in dem Unterricht der No- 
vizen, in dem Abschreiben der heiligen Bücher, in der Anfertigung 
gottesdienstlicher Gegenstände ein Weites Arbeitsfeld, Welches sie viel- 
fach mit dem Volke in Berührung brachte, und auf dem sie im Allge- 
meinen eine ähnlich einflufsreiche, auch in das staatliche Leben mächtig 
eingreifende Stellung sich errangen, wie sie das christliche Mönchs- 
thum im Mittelalter Jahrhunderte lang für das Abendland behauptet 
hat. Dort blieben wie hier Uebergriffe der Klöster über die Lebens- 
kreise, in denen sie segensreich zu wirken begonnen hatten, nicht aus 
und der mifsbräuchlich häufige Eintritt von Kaisern, Welche des Re- 
gierens müde Waren, aber doch im beschaulichen Leben eines Klosters 
Weder den Genüssen der Welt noch der Ausübung aller Macht ent- 
sagen Wollten, rückte einzelne durch Macht und Reichthum hervor- 
ragende Klöster vollends in den Vordergrund des politischen Treibens. 
Daher denn auch Klosterfehden in der inneren Geschichte Japans be- 
deutsam auftreten und das blutige Strafgericht, mit welchem Nobu- 
naga im Jahre r 571 die mächtigen Klöster am Hiyei-San-Berge über- 
zog, vorausgehen mufste, bevor dem grofsen Yeyas die Begründung 
der langen friedlichen Herrschaft der Tokugawa-Shogune gelingen 
konnte. 
Neben den schon erwähnten Einwirkungen des Buddhismus auf 
die bildende Kunst Japans ist er von unverkennbarem Einflufs auf die 
Entwickelung des Naturgefühles gewesen, dessen Abglanz in den 
Künsten zu den liebenswürdigsten Erscheinungen der japanischen 
Cultur gehört. Während dem Shintö-Glauben die kindliche Verehrung 
der allbelebenden Sonne und im Anschlufs daran wohl auch das über- 
aus entwickelte Feingefühl der Japaner für jegliche Himmelserscheinung 
zu danken ist, steht er der Thierwelt theilnahmlos gegenüber. Der 
Buddhismus dagegen hat der Liebe zu den Thieren, der Achtung auch 
vor dem geringfügigsten Lebewesen einen hohen Platz unter seinen 
Sittenlehren angewiesen. Ein Volk, welchem von Jugend auf diese 
Achtung als Pflicht gelehrt wurde, mufste ganz von selbst darauf 
kommen, diese niederen Thiere, deren Leben zu behüten, die aus der 
Gefangenschaft zu befreien ihm eine löbliche That war, die zu ver- 
letzen oder zwecklos zu tödten ihm als Sünde angerechnet wurde,
        

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