Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Handwerk in Japan
Person:
Brinckmann, Justus
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1867160
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1868107
Die 
Baukunst 
Dienste 
des 
Cultus. 
mit dem neuen aussöhnte, indem er die Kamis als neue Erscheinungs- 
formen des Buddha in Japan erklärte, da gewann der bis dahin vor- 
wiegend von den literarisch Gebildeten angenommene Buddhismus auch 
für die unteren Schichten des Volkes eindringliche Bedeutung. 
Der japanische Buddhismus gehört wie der chinesische der 
Schule Makäyana oder der "grossen Entwickelung" der Lehre Gau- 
tama's an. Er hat sich aber eine gröfsere Reinheit bewahrt und ist 
viel weniger als in China mit Aberglauben, Wahrsagerei, Zauberkünsten 
und mystischem Treiben durchflochten. Er verabscheut sogar, um 
irdischer Vortheile willen zu den Buddhas und den Göttern zu beten. 
Sein Einflufs auf die bildende Kunst der Japaner war von tief- 
gehender Bedeutung. Im Gegensatz zum reinen Shintö gab er seinen 
Göttern leibliche Gestalt; nach seinem Vorbilde wurden die Buddhas 
die vornehmsten Gegenstände monumentaler Bildhauerkunst; sein reich- 
entwickelter, prunkender Gottesdienst führte zu umfangreichen Pracht- 
bauten, für welche sich auf dem Boden der nationalen Religion eben- 
sowenig ein Bedürfnifs gefunden hätte, wie für einen von dem übrigen 
Volke abgesonderten Priesterstand. 
Der Shintö kennt im Gegensatz zum Buddhismus keine Vereini- 
gung der Gemeinde zum Gottesdienst und keine Predigt vor versam- 
melter Gemeinde. Der dem Heiligthum der Gottheit Nahende giebt 
sein Kommen zu erkennen, indem er in die Hände klatscht oder das 
vor der Eingangsthür an einer Glocke oder Schelle hangende Seil zieht, 
opfert eine kleine Münze, zu deren Aufnahme eine vergitterte Lade 
bereit steht und trägt für sich allein dem unsichtbaren Gotte sein 
Gebet vor. Bei so einfachem Ritus wurden die Priester des Shintö, 
deren Hauptaufgabe die Instandhaltung des kleinen Heiligthums, die 
Darbringung der täglichen Trank- und Speise-Opfer und die Leitung 
und Veranstaltung der Kagura-Tänze War, weder so zahlreich noch so 
mächtig, wie diejenigen des Buddhismus. Jene waren auch nicht wie 
diese zur Ehelosigkeit gezwungen; sie lebten in der Ehe, konnten 
jederzeit in den Laienstand zurücktreten und vererbten ihre an bestimmte 
Tempel gebundenen Aemter auf ihre Söhne. Bei feierlichen Anlässen, 
u. A. am Tage der Geburtstagsfeier des kaiserlichen Ahnherrn jimmu- 
Tennö waltete der Mikado persönlich des hohenpriesterlichen Amtes. 
Die reichgegliederten Riten des Buddhismus, Welche in den 
Aeufserlichkeiten vielfache Anklänge an die Riten des katholischen 
Christenthums darbieten, gaben dagegen einer zahlreichen Priesterschaft 
Beschäftigung. Zugleich hatte die der Buddha-Lehre entspriefsende 
Neigung zur Weltentfremdung und Kasteiung die Gründung und Be- 
völkerung zahlreicher Klöster im Gefolge. Die Mönche legten das 
Gelübde der Armuth, der Keuschheit und des Gehorsams gegen ihre
        

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