Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Handwerk in Japan
Person:
Brinckmann, Justus
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1867160
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1868089
Die 
Baukunst 
Dienste 
des 
Cultus, 
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Der Buddhismus, Welchen der wiederbelebte Shintöismus zurück- 
zudrängen versucht, ist aus seiner indischen Heimath über China und 
Korea nach Japan gelangt. Die durch Gautama, den weisen Asceten 
der Qäkyas, den nachherigen Buddha Qzikya Mouni um 600 v. Chr. 
in der brahmanischen Welt hervorgerufene Spaltung hatte eine Zeit 
lang den Brahmanismus mit völliger Verdrängung bedroht, weil Gautama 
in einer Zeit, WO die Tyrannei des brahmanischen Kastengesetzes im 
bürgerlichen Leben ebenso unerträglich geworden war wie die Lehre 
von der endlosen Seelenwanderung auf religiösem Gebiete, die Kasten 
unterdrückte, die Möglichkeit, durch reinen Wandel sich dem Zwange 
der Seelenwanderung zu entziehen, behauptete und neue grofse Ideen der 
Nächstenliebe verkündete. 
Nach Gautama's Lehre giebt es keinen Schöpfer. Die Welt, die 
von Anbeginn gewesen und ewig sein wird, durchschreitet unter der 
Gewalt der Naturgesetze Vier Stufen, die der Bildung, der Entwickelung, 
des Verfalles und der Zerstörung, welcher nach einer Zeit der Ruhe 
im Chaos eine Stufe neuer Bildung folgt, und so fort in ewigem 
Wechselgange. Die menschliche Seele ist unsterblich und nur zeit- 
weilig an die von ihr unterschiedene Materie gebunden; in den Strudel 
des Lebens fortgerissen erduldet sie Reihen von Daseinsformen unter 
mehr oder minder glücklichen Verhältnissen, die alle durch die Thaten 
der Seele in einem früheren Dasein mit Schicksalsgewalt bestimmt 
werden. Die schuldige Seele wird wiedergeboren im Leibe von Dä- 
monen oder Thieren oder verfällt der Hölle. Sie wird aber in dieser 
nicht ewig festgehalten, sondern kann geläutert nochmals und wieder- 
holt die Stufenleiter beginnen. Aus tugendhaftem Leben schwingt sich 
die Seele endlich bis zum höchsten Range eines Buddha empor. Wer 
hier, im Mizrwma, angelangt ist, kann" nicht wiedergeboren Werden; 
ein Buddha, d. h. ein Erleuchteter geworden, ist er frei von den Erden- 
banden und lebt in einem seeligen Zustande Völliger Aufhebung der 
Bedingungen des stofflichen Daseins und des von ihnen unzertrennlichen 
Uebels, ohne jedoch als Persönlichkeit der Auflösung zu verfallen; 
aber erst Diejenigen, welche sich nicht mit dem im Nirwana erreichten 
eigenen Heil begnügen, sondern ihren Brüdern zu gleicher Vollkommen- 
heit zu verhelfen streben, sind vollkommene Buddhas. Unsterblich, 
aller menschlichen Schwächen ledig, suchen sie den tiefer stehenden 
Wesen durch Einflöfsung guter Gedanken und durch Kräftigung ihres 
Willens die Befreiung von den Banden des Stoffes und den Aufstieg 
zum Gipfel des Nirwana zu erleichtern. Ihre Macht erstreckt sich auch 
auf die Natur, deren gesetzliches Wirken sie ablenken und zeitweilig 
aufheben können, ohne jedoch jemals schöpferisch wirksam zu werden. 
Während der Buddhismus aus seinem indischen Heimathlande von
        

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