Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Handwerk in Japan
Person:
Brinckmann, Justus
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1867160
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1868054
Kunst 
und 
Handwerk 
Japan. 
zahl von Göttern, Verkörperungen von Kräften und Erscheinungen der 
Natur-entspringen, unter ihnen die Sonnengöttin, deren Enkel Ninigi- 
no-Mikoto auf die Erde herabsteigt und dort die schöne Tochter 
eines Berggottes freiet. Der Enkel dieses Paares War Jimmu-Tennö, 
welcher die Reihe der Kaiser eröffnet. Aus seinen Nachkommen 
gehen noch heute Japans Kaiser hervor. 
Die Shintögötter  Kam!  sind nicht den erhabenen, sitten- 
reinen Heiligen des Buddhismus vergleichbar, sondern in den Augen 
des Volkes mit irdischen Sinnen und Gefühlen, mit irdischer Freude 
an Speise und Trank und an anderer Ergötzlichkeit begabte Menschen- 
kinder. Ihre Zahl ist eine grofse und kann stets durch den Willen 
des Mikado vermehrt werden. Anrecht auf die Erhebung in den 
Kami-Stand gaben hohe Verdienste um den Staat oder die Mensch- 
heit, grofse Tapferkeit, Gelehrsamkeit, Wohlthätigkeit. Doch gab es 
unter den Kami verschiedene Rangstufen und wem nach seinem 
Tode jene Ehre zu Theil wurde, dem wies der Mikado zugleich seine 
Stellung unter den göttlichen Genossen an. Unter den zahllosen Er- 
denkindern, welche auf diesem Wege zur Göttlichkeit aufstiegen, haben 
aber doch nur Wenige sich einer allgemeineren Verehrung dauernd zu 
erfreuen gehabt und nur diese Wenigen sind es, Welche uns in der bil- 
denden Kunst Öfter begegnen. Wohl verabscheut der reine Shintö 
Götterbilder als Gegenstände des Cultus, aber der Japaner versagt 
sich darum nicht die bildliche Darstellung der grofsen Männer seines 
Volkes und in einigen Misch-Secten hat der Einflufs des bilderdiene- 
risch ausgearteten Buddhismus zur Darstellung und Verehrung von 
Kamz" unter göttlicher Gestalt geführt. 
Zugleich werden auch von den japanischen Buddhisten nach dem 
Tode heilig gesprochene Helden, fromme Priester und andere berühmte 
Männer als heilige Geister, Gangen, verehrt. S0 z. B. der berühmte 
Shogun Iyeyasu unter dem posthumen Namen Slm-zblzzlzlto-sko-dazl 
Gongen, d. h. Fürst ersten Ranges, Licht des Ostens, grofser Gongen, 
oder abgekürzt Gongen Sama schlechthin. Viele Kami, so auch 
Yeyas, wurden von den Buddhisten als Gon gen anerkannt und spielen 
im Cult derselben etwa dieselbe Rolle wie die Heiligen im Cult der 
Christ-katholischen Kirche. 
Der landeswüchsige Ahnencult der Shintö-Bekenner hat durch 
den Einflufs chinesischer Ideen noch eine Verstärkung erfahren und wie 
in China hat die sinnliche Auffassung des jenseitigen Lebens auch in Japan 
zu Ausartungen geführt. Die Beobachtung des Gesetzes des Koshi, 
Welches nur in sinnbildlichem Geiste die Opferung reinen Wassers 
und ungewürzten Reises vorschreibt, hat sich zur mifsbräuchlichen Auf- 
tischung vollständiger, mit Saki vvohlversehener Mahlzeiten vor den
        

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