Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Handwerk in Japan
Person:
Brinckmann, Justus
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1867160
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1867974
Kunst 
und 
Handwerk 
Japan, 
dem Familienwappen des Hausbesitzers oder bei Tempelbauten mit 
dem Wappen des Stifters verziert zu sein pflegen. 
Die Möglichkeit, aus dem Wappen eines Stirnziegels auf den 
Bau zu schliefsen, dessen Bedachung dieser angehörte, hat dahin ge- 
führt, den alten Ziegeln von geschichtlich merkwürdigen Gebäuden, 
von den Palästen berühmter Helden oder von hochverehrten Tempeln 
eine vielseitige Bedeutung im japanischen Kunsthandwerk zu geben. 
Besondere Bücher beschäftigen sich mit der Kennerschaft alter 
Ziegel, die" natürlich auch ein begehrter Gegenstand der Sammellust 
japanischer Liebhaber sind. Schon im Jahre 1799 hat ein unter dem 
Titel K0-gaßz-kz' erschienenes Buch Abbildungen und Beschreibungen 
alter Dachziegel gebracht und ein im Jahre 1838 unter dem Titel 
Szäz [Qm ga-tau du in Japan veröffentlichtes Werk beschäftigt sich gar 
mit den Ziegeln der alten chinesischen Kaiser-Dynastien Tsin und Han, 
von denen jene im Jahre 255 v. Chr. Geb. zu herrschen begann, diese 
im Jahre 220 unserer Zeitrechnung erlosch. Zahlreiche Abbildungen 
alter chinesischer, meistens mit Inschriften in alterthümlichen Zeichen be- 
deckter Ziegel begleiten den Text. 
In der Zierkunst, besonders auf den Stichblättern, deuten Trümmer 
von Dachziegeln, Welche an dem aufgeprefsten Jllozz oder an Inschriften 
kenntlich sind, auf die Vergänglichkeit aller irdischen Macht und Gröfse. 
Wie ein alterthümlicher und gar ein vom Dache eines in grauer Vor- 
zeit als Kriegsheld oder Dichter hervorragenden Mannes stammender 
Ziegel, wenn ein in seiner Höhlung wurzelndes schönblühendes Ge- 
wächs dem Gedanken an das Vergängliche im Menschenleben die Freude 
an der in ewiger Jugend neu erblühenden Natur gesellt, einen zu sinn- 
voller Betrachtung reizenden Anblick gewährt, dieser Vorstellung ver- 
mag auch ein Abendländer zu folgen. Da aber nicht Jedermanns 
Mittel den Besitziso seltener Alterthümer gestatten, haben Töpfer und 
Erzgiefser die alten Dachziegel als Motiv für Blumenbehälter oft benutzt. 
Auch bei den Ziegeldächern wird der First stattlich ausgebildet, 
oft zu einer aus mehrfachen Lagen halbrund gebogener Ziegel ge- 
schichteten, durch Mörtel gefestigten und an den Giebelenden durch 
besonders geformte Stirnziegel abgeschlossenen schweren Masse. Diese 
Stirnziegel sind bisweilen mit Masken verziert oder sie zeigen ein stili- 
sirtes Wellenornament. Oft zieren auch aus dem Mörtelputz an Ort 
und Stelle modellirte wogende Wellen, welche gegen die Giebel zu 
spritzend aufwallen, die ganze Länge des Firstes. Vielleicht leitete 
hierbei den Künstler ein Gedanke an sinnbildlichen Schutz vor dem 
Feuer. Bei den Strohdächern, wo die Wasserwelle sich nicht dar- 
stellen läfst, schneidet man oft in gleichem Sinne aus der Stirn des 
dicken, den First bildenden Strohpolsters das chinesische Schriftzeichen
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.