Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Handwerk in Japan
Person:
Brinckmann, Justus
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1867160
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1867877
Kunst 
und 
Japäry 
Handwerk 
Bauart, mit weit vorkragendem Dache und freiem Umgang unter dem- 
selben angelegt ist. Ein verdeckter in der Höhe des Eufsbodens der 
Veranda fortlaufender Gang führt zu dem aufserhalb des Hauses 
liegenden Abort, dessen Lage in den Garten-Ansichten durch das 
grofse Wassergefafs mit dem Schöpflöffel zum Begiefsen der Hände 
und das daneben in einem Ringe hängende Tuch zum Abtrocknen an- 
gedeutet zu werden pflegt. 
Der Grundrifs des gewöhnlichen Hauses ist meistens ein einfach 
rechteckiger; häufig aber wird ihm in Folge von Zufälligkeiten des 
Bauplatzes oder besonderer Bedürfnisse des Erbauers durch vor- oder 
rückspringende Theile gröfsere Mannichfaltigkeit gegeben. Die innere 
Gliederung entbehrt schon deswegen eines durchschlagenden Einflusses 
auf die äufsere Gestaltung, Weil sie als eine feste gar nicht besteht 
und durch, Herausnahme der inneren Schiebewände  Fzzszmza  die 
einzelnen Zimmer beliebig zu gröfseren Gemächern vereinigt oder durch 
neu eingesetzte leicht in kleinere Räume abgetheilt werden können. 
Der Grundrifs der Zimmer wird in seinen Maafsen durch die 
Gröfsen-Einheit der Matten bestimmt, mit denen der Fufsboden belegt 
zu werden pflegt. Diese Matten  Tzzizmzi- sind durchweg Rechtecke 
von 3 zu 6 Skalen, etwa 1 zu 2 Meter Seitenlänge. Je nachdem der Fufs- 
boden, um völlig bedeckt zu sein, 3, 6 oder mehr Matten der Einheits- 
gröfse erfordert, spricht man von Zimmern von 3, 6 oder mehr Matten. 
Dieses Einheitsmafs des Grundrisses Wirkt wieder auf die übrigen raum- 
abschliefsenden Bestandtheile, und hieraus folgt, dafs die meisten der zur 
Erbauung eines Hauses erforderlichen Holztheile, zunächst alle Schiebe- 
wände nach bestimmten Maafsen zugeschnitten von den Zimmerleuten auf 
Lager gehalten werden können, ein Umstand, welcher den raschen 
Aufbau der durch Feuer zerstörten Stadttheile wesentlich erleichtert. 
Die Zimmer-Matten werden meistens aus "einer gemeinen, auf 
sumpfigem Boden angebauten Binsenart, juncus effusus, geflochten, 
deren Mark auch als Docht in Kerzen und Lampen dient. In einigen 
Gegenden liefern Cypergräser den Stoff, für gewöhnlichere Matten 
auch Reisstroh und Rohrkolben. Die Kanten der Matten werden an 
den Langseiten mit einem Streifen schwarzen, bisweilen Weifs gemusterten 
Gewebes eingefafst und die Matten so geordnet, dafs stets die Ecken 
zweier Matten inmitten der Langseite einer dritten Matte zusammen- 
treffen. Da die Matten drei bis vier Centimeter dick mit grobem 
Zeug oder Strohgeflecht unterpolstert werden, halten sie die von unten 
eindringende Kälte ab und bieten eine saubere und weiche Gehfläche, 
auf welcher der Fufs einer festen Bekleidung nicht bedarf, daher die 
Sandalen oder hölzernen Sockel, welche man auf der Strafse trägt, am 
Eingang in das Haus oder Zimmer zurückgelassen werden.
        

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