Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Handwerk in Japan
Person:
Brinckmann, Justus
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1867160
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1867821
Charakter 
Japaner. 
der 
leidige Quasi-Vielwciberei! die Abgeschlossenheit, die Sklaverei der 
Frau! Gar keine Galanterie! über die französische Phraseologie der 
Liebe zuckt der Japaner die Achseln u. s. w.   
Mag die geringe Empfänglichkeit für "Pariser Leben" immerhin 
zum Maafsstab für die gesellige Kultur und das Familienleben der Japaner 
genommen werden, das Ergebnifs des Abmessens wird aber ein 
anderes sein, sobald Wir nicht geflissentlich dort die Licht-, hier die 
Schattenseiten allein herausheben. Um nur eine, im Vergleich mit dem 
häuslichen Leben vieler europäischen Grofsstädter strahlende Licl1t- 
Seite des japanischen Familienlebens hervorzuheben, von welcher Bous- 
quet nichts zu wissen scheint, sei hier daran erinnert, wie englische 
Frauen, die gewifs zuständigen Richter in Fragen des Kinderlebens, 
Japan das Paradies der Kinder genannt haben, wie kein japanisches 
Kind durch Schläge erzogen, wie das alltägliche Zusammenleben der 
Eltern mit den Kindern als das liebenswürdigste und hingebendste 
geschildert wird. "Dort ist für die Japaner das Glück"  dürfen wir 
auf Bousquefs Frage" antworten. 
Auch  J. Rein, welcher im Auftrage der preufsischen Regierung 
in den Jahren 1874 und 1875 Japan bereiste, schliefst sich der günstigen 
Meinung, welche man sich nach den älteren Berichten im ganzen Abend- 
lande von dem japanischen Volkscharakter gebildet hat, im Allgemeinen 
an. Er gedenkt der Kindlichkeit, der harmlosen Zutraulichkeit, der Hei- 
terkeit und der Geneigtheit zu kindlichen Spielen auf allen Altersstufen, 
der leichten Theilnahme, ja Begeisterung der Japaner für alles Neue,  
Eigenschaften, die freilich durch Mangel an Stetigkeit und Ausdauer 
wenigstens in der höheren Gesellschaftsklasse beeinträchtigt werden. 
Dem Volke aber die vielen guten Eigenschaften neben den wenigen 
schlechten zuzusprechen, welche schon Thunberg aufzählt, ist auch Rein 
durchaus geneigt. Er wiederholt im Wesentlichen das Urtheil Thun- 
berg's und erkennt in der natürlichen Heiterkeit und Unverdrossenheit, 
welche den gemeinen Mann auch bei schwerer Arbeit nicht verläfst, 
neben der Eintracht und Ruhe, Womit alle Geschäfte im Haus und 
Feld verrichtet werden, eines der beneidenswerthesten Güter des japani- 
schen Volkscharakters, wie wir in diesen Eigenschaften die Erklärung 
finden für jene unvergleichlichen Vorzüge zweckgemäfser, gewissen- 
hafter und sorgfältiger Erfindung und Ausführung, welche auch die 
anspruchslosesten Arbeiten der japanischen Handwerker zu lehrreichen 
Vorbildern für uns machen. 
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Zierrath eines Schwerdtgriffcs.  junges Farrenkraut und Schachtelhalm.
        

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