Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Handwerk in Japan
Person:
Brinckmann, Justus
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1867160
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1867781
Charakter 
der 
Japaner, 
sechzig Jahre in einer ängstlich gehüteten Abge- x"  
schlossenheit gegen alles Europäerthum gelebt U, '52 
hatte, empfing der deutsche Arzt Engelbert Kämpfer,   l 
Welcher im Dienste der Holländer Japan bereisen 4 
durfte, nicht minder günstige Eindrücke. In seinen   
nexotischen Annehmlichkeiten" hat er den Beweis,  4' 
"dafs im japanischen Reiche aus sehr guten Grün- Ülx ' p 
den den Eingeborenen der Ausgang, fremden Natio-  
nen der Eingang und alle Gemeinschaft dieses N   
Landes mit der übrigen Welt untersagt sei" mit  
so warmem Herzen und so begeisterten Worten 1' V 
versucht, dafs der erste deutsche Herausgeber der I 
YVerke Kämpfers, C. W. Dohm, im Jahre 1779 diesen Junge Bärin mit Hacke und 
Abhandlungen eine ernstliche Widerlegung auf den Theskßsselzur-Arbßißgehend- 
Weg zu geben für sehicklich hielt. 
Kämpfer rühmt das glückliche Leben der Japaner, die ganz in 
ihre kleine Welt eingeschlossen, der allerheitersten Mäfsigung und 
Seligkeit genössen. Er ist voll Bewunderung für ihre Tapferkeit und 
für die Lebensverachtung, mit Welcher sie Hand an sich legen, so oft 
sie von Feinden überwunden oder tlnfähig sind, eine erlittene Schmach 
zu rächen. Er lobt ihre Abhärtung und Gewöhnung zur Arbeit, die 
ausnehmende Reinlichkeit und Niedlichkeit, mit welchen sie ihren 
Körper, ihre Kleidung und Wohnung halten. Schon alle diese Eigen- 
schaften sind Für ihn ein Grund, ihre Abstammung von den Chinesen 
zu bestreiten: die japanische Nation habe ein tatarisches, aber gezähmtes 
und ausgebildetes Genie. Er beklagt, dafs die in diesem östlichen 
Lande angezündete Fackel des Christenthums durch das Blut der Mär- 
tyrer wieder ausgelöscht worden, aber er schätzt trotzdem das japa- 
nische Volk glücklich, weil, abgesehen von dem gefürchteten Christen- 
thum, jeder die Freiheit habe, seinen Gottesdienst auf eigene Art ein- 
zurichten, weil in der Ausübung der Tugend, in der Gottesfurcht und 
in einem reinen Leben die Nacheiferung unter den Japanern weit gröfser 
sei als unter den Christen.  Nach den Eindrücken, die er aus dem 
Verkehr mit den Japanern gewann, schienen ihm alle Bürger in voll- 
kommenster Eintracht, gehorsam den Gesetzen, folgsam den Oberen, 
höflich und liebevoll gegen ihres Gleichen zu leben. Alle anderen 
Völker übertreffe das japanische an guten Sitten, Künsten und feinem 
Betragen. Dieses feine Betragen imponirte ihm vor Allem, immer Wieder 
kommt er darauf zurück. Auf der Reise zum Hof des Shogun findet 
er, dafs die Lebensart der Japaner von dem geringsten Bauern bis zu 
dem gröfsten Herrn so artig sei, dafs man das ganze Reich eine hohe 
Schule aller Höflichkeit und guter Sitten nennen möchte.
        

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