Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Handwerk in Japan
Person:
Brinckmann, Justus
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1867160
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870445
Die 
poetischen 
Beigaben 
Surimonos. 
der 
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was natürlich die allgemeine Festfreude steigerte und als ein dem be- 
ginnenden Jahre glückverheifsendes Zeichen begrüfst wurde. Von den 
zahllosen Spielarten, welche durch gärtnerische Zucht aus dem wild- 
wachsenden Mume-Baum entstanden waren, hatten viele ihre besondere 
Geschichte, welche nun auf denNeujahrsbildet-n bald andeutungsweise 
durch Stillleben hübscher Geräthe und Kleidungsstücke, bald durch 
Vorführung der dabei betheiligten Personen wiedererzählt wurde. 
U. A. hat Hokkei zahlreiche Surimonos dieser Art geliefert. Auch 
sonst Waren die Surimonos das Feld, auf welchem die japanische 
Stilllebenmalerei ihre reizendsten Blüthen trieb. 
Dafs Künstler, welche in ihren übrigen Werken vielfach unter 
dem Einilufs der Schaubühne standen und ihren reichbekleideten 
Charakterfiguren prächtige Farbendruckfolgen widmeten, solcher Rich- 
tung gleichfalls in ihrenNeujahrsbildern huldigten, versteht sich. U. a. hat 
Kunimune in dieser Form die Bildnisse von zehn der berühmtesten 
Schauspieler aus dem Anfang der zwanziger Jahre verewigt, und 
Gakutei die fünf Hauptpersonen aus dem Trauerspiel von der Rache 
Soga's, mit welchem nach altem Brauch alljährlich die Theatersaison 
eröffnet zu werden pflegte, als Surimono-Bilder verwandt. 
Unsere Vorstellung von der Bedeutung der Surimono im japa- 
nischen Leben würde aber unvollkommen sein, wenn wir sie nur als 
Erzeugnisse des Farbendruckes betrachteten. Vollständig werden sie 
erst durch die auf ihnen eingedruckten kurzen Gedichte, bald in der 
klassischen Form der Uta, bald in den leichteren und noch kürzeren 
Formen der neueren Dichtkunst. Bald im Scherz, bald mit ernsten 
Nebengedanken glossirt der Dichter das Bild des Malers oder dieser 
stellt dem poetischen Gedanken ein Bild zur Seite, welches ihn mit 
freier Anmuth fortspinnt, ohne immer als eine Illustration in unserem 
Sinne gelten zu wollen. 
Gonse führt ein Gelegenheitsgedicht des seiner Zeit berühmten 
Dichters Kyoden auf einem von diesem selbst gezeichneten Surimono 
an. Mit Bezug auf das Bild besagen die Worte: 
Dies 
„Des Murhe-Baumes Duft für den Geruch, 
Der Nachtigall Sang für das Ohr, 
Die Kakifrucht für den Geschmack  
dreifache Glück wünsche ich Dir zum Jahre 
Auf einem Surimono des Hokkei in der Hamburger Sammlung 
sehen wir neben einem Mumezweig besonderer Art ein Stillleben aus 
einem Vogelkäfig mit einer Nachtigall, einem grofsen Napf mit einem 
Salatblatt und allerlei Haus- und Küchengeräth; die beigeschriebenen 
Verse sagen dazu etwa:
        

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