Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Handwerk in Japan
Person:
Brinckmann, Justus
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1867160
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870437
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und 
Kunst 
Handwerk 
Japan, 
in der Schaffung schönster Neujahrsbilder statt; Künstlervereine und 
andere Gesellschaften, unter ihnen vorzugsweise die Hanagasa-ren oder 
„Gesellschaft der Blumenhüte," suchten es einander in der Erfindung 
geistreicher und eleganter Surimonos zuvorzuthun und gaben den Künst- 
lern Aufträge. Für die "Blumenhüte" schuf Katsugawa Shunt ei u, A. 
seine reizende Folge der als anmuthige Frauen verschiedener Stände 
travestirten sieben Glücksgötter. 
In den Surimonos beider Blüthenjahre finden sich nicht selten 
Anspielungen auf dasjenige Bild des Thierkreises, unter dessen Zeichen 
das Jahr stand. Im Jahre 1823 ist u. A. ein sonderbares Neujahrsbild 
des Hokkei entstanden, welches eine junge Holländerin mit einer 
Ziege am Halfterbande zeigt, im Hintergrunde getreppte Giebel euro- 
päischer Häuser. Ziege und Abendländer hier zu "vereinigen lag nahe, 
da jene in Japan nicht heimisch, sondern erst durch diese eingeführt 
worden war. 
Da die Szufimono als fliegende Blätter von Hand zu Hand 
gingen, .ist ihre Erhaltung in tadellosem Zustande oft nur günstigen 
Zufällen zu danken, sei es, dafs man sie auf die Innenseiten von Buch- 
deckeln klebte, sei es, dafs ein japanischer Kunstsammler Gefallen an 
ihnen fand und sie in einem Klebebande vereinigte. Ein solcher, er- 
sichtlich gleich beim Erscheinen der Blätter vereinigter Band mit 72 
zum Theil sehr schönen, sämmtlich für das Neujahrsfest des Jahres 
1823 bestimmter Surimonos findet sich im Hamburgischen Museum. 
Die Vorwürfe, welche die Surimona-Iiünstler ihren Neujahrs- 
bildern zu Grunde legten, umspannen die gesammte jconographie 
der japanischen Kunst. Kein der Geschichte Chinas und Japans, kein 
dem Alltagsleben, kein der T hier- oder Pflanzenwelt entlehnter Gegen- 
stand war grundsätzlich ausgeschlossen, wenn ihm nur irgend ein an- 
muthender, anregender Gedanke untergeschoben werden konnte. Nahe 
lag es aber, vorzugsweise solche Vorwürfe zu wählen, welche Beziehungen 
zum Neujahrsfest, zum Wiedererwachen der Natur aus ihrem Winter- 
schlaf hatten oder auf Glückwünsche deutlich hinwiesen. 
Häufiger als alle anderen Vorwürfe kehrt daher der blühende 
Mama-Baum immer und immer wieder in den mannichfachsten Ideen- 
Verbindungen, wie solche von den alten Dichtern in- klassischen Kim's 
niedergelegt oder von den neueren vielfältig neu ersonnen wurden. 
Diese Beziehung der Mume-Blüthe zum "Neuen Jahr hätte 
unter der jetzigen Herrschaft des europäischen Kalenders keinen Sinn 
mehr; nach dem alten japanischen Kalender War aber Neujahr ein 
bewegliches Fest, welches bisweilen erst in die zweite Hälfte des 
Februar fiel. Bei seinem späten Eintreten geschah es oft, dafs am 
Neujahrstage schon die Mume-Bäume in vollem Blüthenschmuck prangten,
        

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