Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Handwerk in Japan
Person:
Brinckmann, Justus
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1867160
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870327
Holzschnitt 
Der 
jahrhundert. 
Die 
Farbendruck-Albxxms. 
281 
der Maler bemerkbar. Viele dieser Albums haben aber, Dank den 
reichen, farbigen Zeichnungen der dargestellten Bühnentrachten, Werth 
als Sammlungen japanischer Gewebemuster. Theaterbesucher, welche 
die Bände mit Bühnengestalten in den Pausen der Schauspiele durch- 
blätterten, Kinder, Welche die volksthümlichen Geschichten von der 
Rache S0ga's, von den treuen Rönin, von Benke und Yoshitsune, von 
den Kämpfen der Genji und Heiki in diesen bunten Bildern erzählt 
fanden, bildeten das dankbare Publikum, für welches die Mehrzahl der 
neueren Farbendruckkünstler ihre Albums des grofsen, unserem Folio 
gleichenden Formates schufen. 
Nur ausnahmsweise stellen die grofsen Albums Bilder des 
Pflanzen- und Thierlebens dar. Eines der schönsten grofsen Bücher 
dieser Art aus der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts trägt den Namen 
des Sugakudo. Lebensvolle, flotte Zeichnung, ein harmonisches Co- 
lorit, zarte Abschattungen durch Anwischen der Farben auf dem Holz- 
stock und geschickte Anwendung von Blinddruckplatten, einer gewebe- 
artig gestrichelten zur Körnung des Grundes und anderer für die 
Zeichnung des Gefieders, vereinigen sich zu anmuthendster Wirkung. 
Edmond de Goncourt hat seiner Bewunderung dieses Buches, dessen 
Zeichner er Takeoka nennt, schwungvolle Worte geliehen, welche den 
Eindruck des schönen Buches treffend Wiedergeben, auch wenn sie die 
Einzelheiten mit dichterischer Freiheit schildern. "Vögel, welche an 
Schilfhalmen emporklettern, Vögel, welche zwischen zerflatterten grofsen 
Mohnblüthen fliegen, Vögel, welche an geplatzten Granatäpfeln picken, 
Vögel, welche sich auf schneebedeckten Zweigen ducken, graue 
Wachteln zwischen Feldblumen, weifse Störche halbversteckt hinter 
Violetten Schwerdtlilien, gelbe Canarienvögel auf Magnolia-Zweigen mit 
weifsen, rothgeäderten Blüthenknospen; eine ganze Reihe von Gemälden, 
auf Welchen sich Pflanze und Vogel in Anordnungen von ausgesuchtem 
Geschmacke und urwüchsiger Eigenartigkeit zusammenfinden. Eines 
dieser Bilder stellt zwei Meisen dar, welche auf einem trocknen Bam- 
bushalm sitzen und sich von dem blassen Rund des Mondes am däm- 
mernden Himmel abheben: ein Bild, dessen zugleich reale und poetische 
Wirkung niemals von einer ornamentalen Composition des Abendlandes 
erreicht worden ist.  Diese Blumen und diese Vögel sind gemalt, 
als wären sie ganz durchdrungen vom Licht, ohne dafs ihr Glanz, 
ihre Lebhaftigkeit, ihre Sonnigkeit durch den Schatten der Halbtöne 
beeinträchtigt wäre, und die sehr sachkundige, sehr technische, sehr 
botanische Zeichnung erreicht, indem sie sich fest an die Natur hält, 
im Umrifs eine Gröfse und eine Anempfindung, welche den von unseren 
eigenen grofsen Meistern gesuchten gleichkommen." Und nach einem 
Hinweis auf Albrecht Dürer schliefst der französische Dichter mit dem
        

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