Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Handwerk in Japan
Person:
Brinckmann, Justus
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1867160
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870303
Der 
Holzschnitt 
jahrhun dert. 
Die 
Farbendruck-Albums. 
279 
liebten; es gelingt ihm auch, mit ihr zusammenzukommen, aber das 
Glück der Ehe blüht ihnen nicht, und ein früher Tod rafft das schöne 
Mädchen dahin. 
Ein Seitenstück zu diesem Bilde bietet die Darstellung des 
Priesters Sognen, Welcher, in sündiger Liebe zu der schönen Orikote- 
hime entbrannt, deren in Kakemono-Form gemaltes Bildnifs durch 
Speis- und Trankspenden und einen blühenden Kirschbaum ehrt, wie 
wie man sie auf den Altären der Götter darbringt. Auch diesem Bilde 
entspricht eine Uta, die 39., welche unbezwingliche Liebe, die im 
Herzen nicht geheim gehalten werden kann, dem sich durch ihre pran- 
gende Blüthe verrathenden Tsuäana-Kraute also vergleicht: 
"Wie der Ono-Sumpf 
Tsubana birgt im Schilfe, 
Bärg' ich gern die Lieb'; 
Doch wie die Biüth' Tsubana, 
Leidenschaft Liebe verräth." 
jedoch nicht immer ist unglückliche Liebe die Brücke zwischen 
der Uta und dem Bilde. Auch anderer Herzensnoth erinnert sich der 
Künstler. Verse, in denen unbarmherzig abgewiesenes Liebeswerben, 
dem Zerstäuben der Wogen am Felsen verglichen, das Herz des 
Dichters mit tiefer Traurigkeit erfüllt, regen ihn an, uns das Bild der 
jungen schönen Okiku zu zeigen, wie sie kummervoll neben der von 
ihr zerbrochenen, kostbaren Porzellanschiissel ihres hartherzigen Dienst- 
herrn Aoyama sitzt; eine Geschichte, welche durch ihren weiteren 
Verlauf, den Selbstmord des mifshandelten Mädchens, das zur Nacht- 
zeit ertönende, gespenstische Nachzählen des Schüsselsatzes mit kläg- 
lichem Seufzen über das zerbrochene Stück, die Verödung des nun 
von Allen gemiedenen Hauses und das Verschwinden des Geistes 
Okiku's nachdem Aoyama reuig gebüfst, eine innere Verwandtschaft 
mit abendländischen Spukgeschichten verräth. Und in gleichem Geiste 
knüpft der Maler an einen Schmerzensschrei des Dichters über sein 
elendes, fried- und ruheloses Leben das Bild Yuranosukds, des Führers 
der zur Rache verschworenen treuen Rönin, wie er von seinem gleich 
ihm dem Tode geweihten Sohne Rikiya begleitet, zur sühnenden 
Selbsttödtung sich anschickt. 
Neben den Uta der hundert Dichter haben vor allen die Liebes- 
abenteuer des Prinzen Genji, wie sie von der im 10. Jahrhundert leben- 
den Dichterin Murasaki Shikibu in 54 Novellen geschildert sind, den 
Künstlern der Farbendruck-Albums nicht nur unmittelbare Vorwürfe 
geliefert, sondern öfter noch die Anregung, eine der Zahl dieser N0- 
vellen entsprechende Reihe von Gestalten der volksthümlichen Schau-
        

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