Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Handwerk in Japan
Person:
Brinckmann, Justus
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1867160
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870255
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Kunst 
und 
Handwerk 
J 3193m. 
zogen, den sich feig versteckt haltenden Moranowo suchen und mit 
dessen Wachen handgemein werden. jedes Blatt giebt in dem Maafsstabe 
von etwa einem Drittel der Lebensgröfse nur das Hüftbild je eines der 
Rönin. Ohne sich von dem Beispiel der alle menschlichen Handlungen 
theatralisch verzerrenden Schaubühne irreleiten zu lassen, hat der Meister 
hier verstanden, jeden der Kämpfenden in einem Augenblicke natür- 
licher Anspannung oder Entfaltung seiner ganzen Kraft zu erfassen, 
und jedem individuelles Leben einzuflöfsen. Die so oft in derartigen 
Bildern der Schule störende Pracht der Bühnenkleidung verschwindet 
hier angesichts der geschichtlich überlieferten gleichmäfsigen Tracht 
der Verschworenen; das in markigen Zügen ausgedrückte seelische M0- 
ment tritt durchweg in den Mittelpunkt der Darstellung. Der Meister 
hat hier die Eierschalen des Theaters, welche seiner Schule ankleben, 
abgestreift und sich zu einer Gröfse und Freiheit künstlerischen Ge- 
staltens aufgeschwungen, von welcher der Weg nicht mehr weit gewesen 
wäre zu monumentaler Auffassung der Kunst. Ein zweites Mal hat 
Kuniyoshi die Personen der Ckiuslzingura in ganzer Gestalt, aber 
in kleinerem Maafsstabe herausgegeben, ohne jedoch in diesen Farben- 
drucken die künstlerische Höhe jener gröfseren Bilder zu erreichen. 
Hir0shige's bedeutendste Leistungen liegen auf dem Gebiete 
der Landschaftsmalerei. Seine Ansichten des Fuji-no-yama "Fuji 120 
lzzäku-dzu" in Farbendrucken v.  1820, sein bändereiches Werk "Elzon 
Tokio mzjlagä" mit Scenen Yedo's und seiner Umgebung, seine Land- 
schaften der von Yedo nach Kioto führenden Heerstrafse "Tökazdo 
Fukei Sogwa" und andere Werke dieser Art entrollen unserem Blicke 
ein getreues Gemälde der landschaftlichen Schönheiten seines Landes 
und des Lebens seines in freier Luft arbeitenden oder geniefsenden 
Volkes. 
Eine Aufzählung oder gar eine Beschreibung der zahlreichen 
Farbendruck-Bände der Katsugawa, Utamaro und Utagawa-Ab- 
zweigungen der Ukio-ye-riu verbietet sich angesichts ihrer Menge und 
der Reichhaltigkeit ihres Inhaltes. Wir beschränken uns auf einige 
allgemeine Hinweise zu ihrem Verständnifs. Zu beachten ist vor Allem, 
dafs viele, wohl die meisten" dieser Bilderbücher auf eigenthümliche und 
oft anmuthige Weise an die Folgen der alten Lieder- und Novellen- 
Sammlungen, welche jedem halbwegs gebildeten Japaner geläufig sind, 
anknüpfen.  
Vorzugsweise gilt dies von den zahlreichen Albums, in welchen 
jene Künstler die japanischen Frauen weniger in ihrer gernüthvollen, 
als in ihrer "decorativen" Bedeutung für das Leben schildern. Einige 
Beispiele für diesen Ideengang der Maler werden zugleich zeigen, wie 
tief und innig die bildenden Künste Japans mit seiner klassischen
        

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