Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Handwerk in Japan
Person:
Brinckmann, Justus
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1867160
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870125
Holzschnitt im 
Der 
jahrhun d ert. 
HokusaPs 
Fuji-Bilder. 
261 
ledig; Gesandte der Liuchiu-Inseln, welche mit grofsem Gepränge zum 
kaiserlichen Hofe ziehen und an einer Wegwendung den majestätischen 
Gipfel erblicken; weifsgekleidete Pilger, welche mühsam die Schutt- 
halden des Berges hinanklimmen oder in vergnügten Sprüngen abwärts 
eilen und an dem auf ihre grofsen Strohhüte gestempelten Schrift- 
zeichen für das gleich dem Namen des Berges ausgesprochene Wort 
"Nicht Zwei" als Wallfahrer zu dem auf der Spitze des Fusi-no-yama 
belegenen Tempelchens kenntlich sind  sie alle und viele Andere 
sehen in dem Berge eine Art nationalen Heiligthums, das jeder echte 
Japaner schon seiner unvergleichlichen Schönheit halber in Ehren 
halten sollte. Natürlich darf es auch hierbei nicht an erheiternden 
Sonderbarkeiten fehlen. Kein gröfseres Vergnügen für einen Japaner, 
der in diesem Punkte sein Leben lang sich Kinderaugen und Kindes- 
sinn bewahrt, als wenn es ihm etwa gelingt, den Berg durch die 
Maschen eines Netzes zu sehen, welches ein Fischer soeben aus dem 
Wasser zieht; oder wenn es ihm glückt, ihn zwischen den gespreizten 
Beinen eines Böttchers zu erblicken, Welcher, mit beiden Füfsen auf 
dem Rande eines grofsen Fasses stehend, einen Reifen auftreibt; oder 
in den Zwischenräumen der zum Trocknen aufgehängten buntge- 
musterten Zeugstücke eines Färbers; oder vom Hofe eines Schirm- 
machers, hinter ausgespannten oder halb zusammengefaltet die Form 
des Berges nachahmenden Schirmen. Auch an seltsamen, in der euro- 
päischen Kunst verfehmten Augenblicksbildern fehlt es nicht, wie wenn 
z. B. die Sonne den Gipfel des Fuji im Untergange krönt, so dafs der 
dunkle Berg an das japanische Spiegelgestell, die glänzende Sonnen- 
scheibe aber an den Spiegel darauf erinnert; oder, wie wenn jener 
aus einem anmuthigen Singspiel "Das Federkleid der Fee" bekannte 
Fischer, nachdem er das Flügelkleid der Mondesbewohnerin in seinen 
Korb gepackt hat, über ein Spiegelbild des Berges in seiner Trink- 
schale in Entzücken ausbricht. Auch mythische und sagenhafte Ge- 
stalten beleben den Berg und seine Umgebung; der Drache, welchen 
der Volksglaube dem Fuji-Berge gesellt, taucht aus düsterem Wolken- 
gewoge auf, welches den F ufs des Kegels umhüllt; Nitta Tadatsune, 
ein Held aus Yoritomds Tagen, tödtet einen am Fuji hausenden Eber 
nach kühnem Ritt auf dem gewaltigen Thiere. Eines aber vermissen 
wir: irgend eine Darstellung, welche uns den Berg als thätigen Vulkan 
vergegenwärtigte. Nur ein Bild erinnert uns wenigstens an die im 
Schoofse des Berges schlummernden Kräfte der Zerstörung, indem es 
uns die Wirkungen des schrecklichen Erdbebens, Welches i. j. 1707 
den letzten Ausbruch des Vulkans begleitete, in ergreifender Weise 
vor Augen führt. 
Fassen wir diese wechselnden Bilder zusammen, so fühlen wir,
        

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