Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Handwerk in Japan
Person:
Brinckmann, Justus
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1867160
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870113
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Kunst und 
Handwerk 
JaPI-ln. 
Höhle hervorgelockt wurde, in welche sie grollend ihren Glanz ver- 
borgen hatte. Das nächste Bild zeigt den heiligen Berg im Morgen- 
grauen des Tages, da er,  von vulkanischen Kräften emporgethürmt, 
zum ersten Mal den staunenden Blicken der Japaner sich darbot. Auf 
dem dritten Bilde sehen wir einen langhaarigen Greis mit einer Ge- 
berde, als beschwöre er dämonische Gewalten, auf einer Matte am 
Rande des Kraters sitzen; der Pilgerstab, der vielperlige Rosenkranz 
und das schwarze Obergewand lassen in ihm einen Priester erkennen; 
es ist Yen m? Shokaku, ein Heiliger der japanischen Buddhisten, von 
dem die Sage geht, dafs er, während er als Verbannter auf der Insel 
Oshima lebte, allnächtlich trockenen Fufses über das Meer zum Fuji- 
Berge gewandelt sei. Nun folgen die Ansichten des Berges. Wir 
sehen seinen Kegel klar in den wolkenlosen Himmel aufragen; sehen ihn 
im Schmucke vielgestaltiger Wolkenbildungen, von Schichtenwolken 
gestreift, mit geballten Haufenwolken umlagert, auf seinem Gipfel die 
Nebelkappe, deren stete Auflösung und Neubildung, aus weiter Ferne 
gesehen, den Eindruck macht, als steige noch Rauch aus seinem 
Krater empor. Seine schöne Silhouette schimmert durch einen Vor- 
hang senkrecht rieselnden Regens oder durch sturmgepeitschte Schauer 
oder grofsflockiges Schneegestöber. Er steigt empor aus dunstigen 
Thälern, umglänzt von den Strahlen der Abendsonne, oder thront unter 
blauem Himmel über schwarzen, blitzdurchzuckten Gewitterwolken. 
Er spiegelt sich, selber ungesehen, in der glatten Fläche eines Binnen- 
Wassers, an dessen schiliigem Ufer Wildgänse schnattern; oder er über- 
ragt kaum die Oceanswogen, aus deren krallenartig überschäumenden 
Kämmen Schwärme kleiner Ckzkiozi-Möven emportlattern; oder er hebt 
sich vom nächtlichen Himmel als Schattenbild ab, hinter dem der 
Mond aufgegangen ist, von einem mageren Wolfe heulend begrüfst. Wir 
sehen ihn heiter prangen über dem Blüthenschnee der Kirschbäume; 
übergittert von den schlanken, fein beblätterten Rohrstämmen eines 
Bambushaines; leicht verschleiert von den im Lufthauch schwankenden 
Zweigen der Trauerweiden; oder, als dritten im Bunde der "drei weifsen 
Vollkommenheiten", schneeumwirbelt über schneebepolsterte Kiefern 
anfragen, auf denen weifse Kraniche mit gesträubtem Gefieder und 
eingezogenem Halse frierend sitzen. 
Andere Bilder zeigen uns den geliebten Berg im Hintergrunde 
von allerlei menschlicher Lustbarkeit und Hantierung. Fröhliche Fa- 
milien, welche sich zur Zeit der Kirschenblüthe, auf Matten gelagert, 
an geselligem Mahle und Saitenspiel ergötzen; vornehme Herren, 
welche sich auf dem Dache einer Sternwarte zu gelehrter Unterhaltung 
vereinigt haben; Feld- und Bauarbeiter, hier bei harter Arbeit, dort 
ihr kärgliches Mahl im Freien rüstend oder beim Pfeifchen ihrer Mühen
        

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