Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Handwerk in Japan
Person:
Brinckmann, Justus
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1867160
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870074
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Kunst 
und 
Handwerk 
Japan. 
menschlichen 
Lebgnsu 
VOII 
ihrer 
komischen 
Seite 
schildern. 
Alles 
erdenkliche Mifsgeschick, welches Unbeholfenheit oder der arge Zufall 
einem japanischen Menschenkinde bereiten mögen, zieht in köstlichen 
Bildern vor uns vorüber. Der Eine will dicke Bambusspargel aus der Erde 
ziehen, hat aber zu grofse Kraft daran gewendet und stürzt nun, da der 
Schöfsling nachgiebt, hinterrücks wuchtig zu Boden; ein Anderer hat 
gar zu gierig den Brei in der Schüssel umgerührt, die umkippt und 
ihren Inhalt über den Boden ausschüttet; ein Sonntagsfischer hat beim 
Auswerfen mit der Angelschnur zu weit ausgeholt und mit dem Haken 
das Haar eines im lxVasser watenden Fischerknaben erfafst; ein Wind- 
stofs umwirbelt mit Staub und dürren Blättern eine spazierende Gesell- 
schaft, dem Einen entreifst er ein wie ein Segel sich blähendes Roll- 
bild, dem Anderen, der auf einem Anbietbrett Speisen herbeiträgt, 
schlägt er das verdeckende Tuch um den Kopf; eine junge Dame 
müht sich vergebens, ihren Händen wie Schmetterlinge entflatternde 
Papierbögen und ihre vom Winde gebauschten Röcke schicklich fest- 
zuhalten. Von den Mifsgeschicken des täglichen Lebens schweift der 
Künstler zu phantastischen Scherzbildern. Er fängt einen Eilpostboten 
in dem über den Weg gespannten Netz einer Riesenspinne, erschreckt 
Bauern bei der Feldarbeit durch einen kolossalen Dintenfisch, läfst den 
Fuchs dem Jäger ein Fangeisen stellen, Fischer sich mit ungeheuren, 
gleich Riesenschlangen sich ihrem Griffe entwindenden Meeraalen ab- 
mühen, eine menschenfressende, schildkrötenartige Kappa gierig glotz- 
äugig einen nackten Mann beschleichen, Welcher, behaglich sein 
Pfeifchen schmauchend, das Zugseil eines "Schlagnetzes hält, um das 
von der Witterung des Menschenfleisches angelockte Unthier darin 
zu verstricken. Dazwischen auch derbere Späfse mit scatologischem oder 
erotischem Beigeschmack, an denen die Glücksgötter Weidlich theil- 
nehmen. Auch einzelne Gestalten der geschichtlichen Sage und 
mehrere des Volksaberglaubens. Unter anderen die adlerflügeligen 
Tengu, Welche ihre Waldeswipfel verlassen haben, um uns mit 
Hülfe ihrer langen Nasen allerlei Gaukelkünste vorzuführen und Täfs- 
chen, Bälle und Reifen zu balanciren; Darstellungen der Rokurokubz, 
Wesen weiblicher Gestalt, Welche die Macht haben, ihren Hals gespen- 
stisch zu verlängern, bald um anderen Menschen  besonders unar- 
tigen Kindern  heilsamen Schrecken einzujagen, bald, um schlafwan- 
delnd und ihrer geheimnifsvollen Entkörperung unbewufst, in die Ferne 
schweifend, entlegene Dinge zu schauen; Jllzfsume 11'020, den Mann mit 
einem dritten grofsen Auge auf der Stirn, welchem ein Brillenmacher eine 
dreiglasige Brille anpreist. Zumeist tritt hier das Unheimliche des 
Vorwurfes zurück gegen seine komischen Seiten; dem Künstler liegt 
weniger daran, uns zum Glauben an die Wirklichkeit all" dieser Un-
        

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