Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Handwerk in Japan
Person:
Brinckmann, Justus
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1867160
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1869787
Buchdruck 
Der 
und 
die 
vervielfältigenden 
Künste. 
Holzschnitt. 
Der 
227 
dargestellten Gegenstandes folgen, bei der Mähne eines Pferdes, dem 
Fell eines Tigers, dem Schweif eines Pfauen, der Rinde eines Baum- 
stammes. Seine Darstellungsmittel beschränken sich anfänglich auf 
eine sicher umrissene, ausdrucksvolle Linienzeichnung, welche alle 
charakteristischen Einzelheiten wiedergiebt, und auf schwarze, durch 
keine Schraffirung gebrochene Flächen, innerhalb welcher die Linien 
der Zeichnung weil's erscheinen. Von solchen platten Tönen weifs er 
wirkungsvollen Gebrauch zu machen, z. B. windbewegte Blätter plastisch 
anschaulich zu gestalten, indem er die Oberseiten weifs mit schwarzen 
Adern, die Unterseiten schwarz mit weifsen Adern darstellt; eine 
durchaus conventionelle Manier der Pflanzenabbildung, welche sich 
sogar noch in den schon auf europäisch-wissenschaftlichem Boden 
stehenden botanischen Werken der neueren Zeit behauptet hat. 
Dafs dem japanischen Holzschneider die Wirkung der einfachen 
oder gekreuzten Strichlagen fremd blieb, erklärt sich daraus, dafs das 
Zeichnen mit hartem Stift, auf welchem bei uns eigentlich das tech- 
nische Zeichnen beruht, den japanischen Malern, welche die Vorzeich- 
nungen auf den Holzstock lieferten, unbekannt war. Die Pinselzeich- 
nung an Stelle der Stiftzeichnung mufste nothwendigerweise die 
Wirkung mit Farbflächen anstatt mit Schraffirungen entwickeln. 
Brauchte der Künstler seine Vorzeichnung nicht als Spiegelbild 
zu zeichnen, weil sich bei ihrem Aufkleben mit dem Gesicht nach 
unten von sel_bst die Umkehrung ergab, so konnte der Holzschneider 
unmittelbar den leisesten Schwingungen des Pinsels sich anschmiegen, 
dessen Werk er wiedergeben wollte. Freilich zerstörte dieses Ver- 
fahren viele Zeichnungen von Meisterhand, aber die Bedeutung des 
japanischen Holzschnittes hebt sich damit über diejenige einer nur 
reproductiven Kunst hinaus, und in seinen Leistungen redet der Geist 
und Geschmack der japanischen Künstler mit vollster Unmittelbarkeit 
zu uns, ungetrübt durch das Medium eines handwerklichen Ueber- 
setzers. 
Als man sich der Trockenheit und Härte der anfänglichen Dar- 
stellungsmittel des Holzschnittes im Vergleich zu der Saftigkeit und 
Weichheit einer mit tuschgefülltem Pinsel geschaffenen Zeichnung be- 
wufst geworden War, lag es nahe, durch Abwischen der Schwärze 
von einzelnen Stellen der Platte eine weichere, farbigere Wirkung zu 
erzielen. Dasselbe Ziel konnte auch erreicht werden, indem man 
gleich beim Schwarzen Abstufungen hervorbrachte. Von da bis zum 
förmlichen Bemalen der Druckplatten nicht nur mirhverschiedenen 
Schwarzen, sondern auch mit anderen Farben war nur ein Schritt, der 
nothwendiger Weise zu der Anwendung mehrerer, für verschiedene 
Farben berechneter Holzplatten Führen mufste. Diese verschiedenen 
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