Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Handwerk in Japan
Person:
Brinckmann, Justus
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1867160
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1869763
Der 
und 
Buchdruck 
vervielfältigenden 
die 
Künste. 
Das 
Buch. 
225 
nutzte Auskunftsmittel, ein die Breite einer Seite überschreitendes Bild 
mit dem Kopf, statt nach oben, nach dem Rücken des Buches zu 
richten. Weder in den Holzschnittbüchern der Blüthezeit der deutschen 
Renaissance, noch in den mit eingedruckten Kupferstichen so anmuthig 
geschmückten Ausgaben französischer Dichter aus dem 18. jahrhundert 
finden wir Beispiele dieser plumpen Bilderverdrehung, die für Wissen- 
schaftliche Werke unvermeidlich sein mag, aber in illustrirten Büchern, 
die auf künstlerische Ausstattung Anspruch erheben, nicht für zuläfsig 
erachtet werden sollte. Die seltenen Ausnahmen von der Regel, welche 
sich in einigen von Hokusai illustrirten Büchern zeigen, sind wahr- 
scheinlich europäischen Vorbildern zu belasten. 
In der Vertheilung von Schrift und Bild waltet die freieste Will- 
kür. Bald erscheinen die Bilder als im Text zerstreute Vignetten, bald 
sind erläuternde kurze Bemerkungen mitten in die Bilder, zwischen die 
handelnden Personen oder auf wolkenartig abgegrenzten Ecken und 
Rändern eingetragen, bald gröfsere, für die Darstellung überflüssige 
Flächen mit grofsen Sätzen dicht beschrieben. Diese scheinbare Regel- 
losigkeit findet aber ihre Grenze in den, Bilder und Schrift gemeinsam 
umschliefsenden Randlinien und ihre Erklärung darin, dafs Schrift und 
Bild durch den Druck von einer und derselben Holzschnittplatte herge- 
stellt werden. Bei den Kusa-zoski genannten Heften kleinsten Formates, 
Welche vor etwa hundertfünfzig jahren zuerst in Aufnahme kamen und 
seitdem für die bändereichen Bücher der volksthümlichen Novellen- 
schreiber vorwiegend in Gebrauch geblieben sind, ist jedes Plätzchen 
rings um die Figuren mit Schriftzeichen dicht ausgefüllt. 
Die Regellosigkeit der japanischen Buchillustrationen ist in 
neuerer Zeit, nicht selten auf Kosten des guten Geschmackes, in Eu- 
ropa nachgeahmt worden. Zuerst haben, wie das bei der technischen 
Unabhängigkeit unserer Buchillustrationen von dem Typensatz leicht 
zu erreichen War, französische Schriftsteller über Japan jene Regel- 
losigkeit durch capriciöses Ausstreuen der Vignetten in- und aufserhalb 
des durch den Schriftsatz gegebenen Raumes noch zu überbieten ge- 
sucht, und ihrem Beispiel sind Andere in Büchern gefolgt, die mit Japan 
nichts zu schaffen haben. 
Das technische Verfahren bei Herstellung der japanischen Bücher 
ist das denkbar einfachste. Zeichner und Schreiber  oft eine Person 
 malen, was sie von Bildern und Worten vervielfältigt zu haben 
wünschen, mittelst des Pinsels in schwarzer Tusche auf eines der 
dünnen, durchscheinenden und doch so festen Blätter japanischen Pa- 
pieres. Dieses Blatt wird mit der Schriftseite nach unten auf den in 
der Regel aus Kirschbaum, stets aus Langholz bestehenden Holzstock 
geklebt und, wenn es nöthig ist, durch feuchtes Abreiben noch verdünnt. 
BRINCKMANN, Kunst und Handwerk in Japan. 15
        

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