Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Handwerk in Japan
Person:
Brinckmann, Justus
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1867160
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1869608
Die 
Malerei 
Japans 
im 
Jahrhundert. 
Kiosai. 
209 
dem Namen des Zeichners wurden von Eingeborenen mit Achselzucken 
beantwortet; es schien, als schämte man sich aus irgend einem Grunde 
der Bekanntschaft mit dem Verfasser oder betrachte die Karrikaturen, 
welche religiöse, politische und sociale Schäden des Landes geifselten, 
als eine innere Angelegenheit, welche die Fremden nichts angebe. 
Endlich lüftete sich der Schleier  es handelte sich um Arbeiten 
Kiosai's, eines in Tokio geborenen und lebenden Künstlers, dem 
seine politischen Flugblätter schon manche Strafe eingebracht hatten. 
Satyrische Zeichnung des Kiosai. Anspielung aut das sittenlose Leben der europäisirten Beamlenwelt. Diese 
wird wegen ihres Schnurrbart-Tragen: nach abendländischer Mode mit einem durch seine langen Bartfäden 
ausgezeichneten Wels verglichen, welcher ermattet auf dem Rücken schwimmt und einer, die Sippe der Geisha 
(Tänzerinnen) vertretenden Kerze, deren Spröfslinge ihn an seinen Bartfäden ziehen, als Fahrzeug dient. 
Als sich die Herrschaft des letzten der Shogune ihrem Ende 
zuneigte, War die Stellung seiner, von den Anhängern der alten Lehens- 
Verfassung und des bis dahin bevorzugten Kriegsadels hart bedrängten 
Minister erschüttert. Kiosai kennzeichnete die politische Lage, indem 
er ein Schachbrett darstellte, auf dem die als Schachfiguren verkleideten 
Minister solche Felder inne hatten, dafs sie unfähig waren, den Shogun 
vor dem "Matt" zu schützen. Die markige Zeichnung und ihr treffender 
Witz brachten dem Künstler viel Bewunderung  aber auch die Ver- 
urtheilung zu einer empfindlichen Haftstrafe ein. Kaum wieder frei, 
machte er sich eines neuen Angriffes auf das in den letzten Zügen 
liegende Shogunat schuldig und mufste nochmals in's Gefängnifs 
wandern, aus Welchem ihn die Ankunft des Mikado in Tokio befreite. 
In seinen Hoffnungen, dafs nun endlich der ihm verderblich erscheinende 
Einflufs der Ausländer auf die Minister gebrochen werde, bitter ge- 
täuscht, gab Kiosai seinem Unbehagen anläfslich eines unter kaiser- 
lichen Auspicien in der Hauptstadt abgehaltenen Maler-Kongresses 
scharfen Ausdruck. Als nach alter Landessitte seine Kunstgenossen 
ihn um eine Probe seiner Meisterschaft baten, griff er zum Pinsel, um 
ihnen grofse Herren in vornehmer Hoftracht zu zeigen, in deren Gegen- 
BRINCKMANN, Kunst und Handwerk in Japan. I4
        

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