Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Handwerk in Japan
Person:
Brinckmann, Justus
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1867160
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1869586
Die Malerei Japans im 
19. Jahrhundert. 
Die Katsugawa- 
und Utagawa-Meister. 
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stellung berühmter Schauspieler in den Trachten ihrer Glanzrollen und 
ganzer Scenen aus dem ungedruckten Repertoire der volksthümlichen 
Bühne. Der bedeutendste Künstler dieser Richtung war der schon 
als Lehrer HokusaPs genannte Katsugawa Shunshö, dessen Theater- 
bilder, wie Anderson findet, durch ihre lebensvolle Leidenschaft und 
schmelzende Harmonie der Farben dem europäischen Kunstbeflissenen 
wie eine neue Offenbarung erscheinen. Als er im Jahre 1792 starb, 
setzten zahlreiche Schüler, welche sich als solche zumeist durch An- 
nahme des "Shun" aus dem Namen des Lehrers bekannten, seine 
Weise fort. Unter ihnen treten Gakutei und Shun-man als glänzende 
Künstler für die Surimmzo genannten Neujahrsbilder in den Vorder- 
grund. Alle aber überflügelt Katsugawa Shunrö, um, nachdem 
er die Eierschalen dieser Schulrichtung abgestreift, als Hokusai sieg- 
reich seine eigene Bahn zu wandeln. 
Eine zweite Schaar der dem Bühnenleben zugewandten Maler 
führt ihren Gruppennamen Utagawa von dem in der Periode Bunkwa 
(1804-1818) als 69jähriger gestorbenen Meister Utagawa Toyoharu. 
Der bedeutendste seiner Schüler ist Utagawa Toyokuni, welcher 
dem Theater zahllose wirkungsvolle und harmonische Farbendrucke 
gewidmet, aber gleich seinem, wie er i. 1828 gestorbenen Mitschüler 
Utagawa Toyohiro und gleich Hokusai selber auch viele Hefte 
des zeitgenössischen Novellenschreibers Bakin illustrirt hat. Unter 
Toyokuni's Schülern, die nach Landessitte ihrem Namen das „Kuni"' 
aus dem Namen ihres Meisters beifügten, ragt wieder Kadota 
Shögoro, genannt Kunisada, hervor. Dieser legte sich v. j. 1844 
ab den Namen Toyokuni der zweite zu und entfaltete bis zu seinem 
i.  1865, dem 79. seines Lebens, erfolgten Tode eine äufserst frucht- 
bare Thätigkeit als volksthümlicher Theaterzeichner und Illustrator in 
der Weise der älteren Utagawa-Meister. Mit ihm wetteiferte an 
Fruchtbarkeit Utagavva Kuniyoshi, vielleicht ein Sohn des ersten 
Toyokuni, ein genauer Nachahmer seines" Stiles, jedoch mit Vor- 
liebe der Darstellung kriegerischen Lebens zugewandt. Er starb als 
65jähriger i.  1861. 
Ein Schüler des Utagawa Toyohiro, jedoch als vielseitiger 
Landschafter von eigenartiger Bedeutung, ist Hiro-shige, auch 
Motonaga und Ichi-riu-sai genannt. Vom Berufe eines Feuerwehr- 
mannes in Yeddo hat er sich zu einem der bedeutendsten Landschafts- 
zeichner unseres Jahrhunderts aufgeschwungen. Wir verdanken ihm 
zahlreiche Einzelblätter und Sammelbände mit getreuen und kraftvollen 
Darstellungen japanischer Scenerie, in denen das Streben nach per- 
spectivischer Zeichnung unverkennbar ist. Im Jahre 1858 erlag er, als 
61 jähriger, der Cholera.  
        

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