Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Handwerk in Japan
Person:
Brinckmann, Justus
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1867160
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1869573
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Kunst 
Handwerk 
Japan. 
des Meisters angeschlossen, und die Kritiker im Lande blickten mit Er- 
staunen oder Belustigung auf die europäische Uebertreibung. 
Diesem Urtheile des an den Brüsten zünftiger japanischer Kunst- 
kennerschaft genährten Amerikaners gegenüber stehen die Franzosen 
Duret und Gonse mit begeisterter Würdigung HokusaTs. Duret er- 
klärt ihn für den gröfsten Künstler, der in Japan jemals gelebt hat, 
er will ihn nicht als Maler unseren grofsen Malern vergleichen, nur als 
Zeichner mit denjenigen unserer Meister, welche ein gezeichnetes oder 
gestochenes Werk hinterlassen haben. Mit dieser Einschränkung 
könne er gleich viel welchem europäischen Künstler zur Seite gestellt 
werden. Rückhaltloser noch lautet die Anerkennung, welche Gonse 
dem Hokusai zollt. Er stellt ihn den hervorragendsten Künstlern 
unserer eigenen Race zur Seite, nennt ihn einen der Virtuosen des 
Pinsels, findet seine Farbe und seine Ausführung in seinen letzten 
Werken von einer Kraft, einem Glanz, einer Entschiedenheit, die un- 
vergleichlich seien; die bestrickende Eleganz seiner Malereien berausche 
ihn wie Blumenduft. 
Mag Gonse die Bedeutung Hokusafs auch Weit überschätzt 
haben, ebenso weit schweift Fenollosa nach der entgegengesetzten 
Richtung aus. An einen Mann wie Hokusai den Maafsstab des Klas- 
sizismus zulegen, bleibt ungerecht und engherzig. Mag immerhin 
die aristokratische und klassisch gebildete Gesellschaft seines Heimath- 
landes bedauern, dafs der Künstler, von früher Jugend bis zum Greisen- 
alter um die Nothdurft des Lebens ringend, nicht in die Lage gekommen 
ist, seinen Werken den Stempel einer höheren gesellschaftlichen Kultur 
aufzuprägen  das künstlerische Werk seines Lebens steht darum 
doch nahezu einzig da in seiner Volksthümlichkeit, seiner Urwüchsig- 
keit, Zwanglosigkeit und Nützlichkeit, und mit Recht bemerkt Anderson, 
Welcher sich mit verständigem Vorbehalt auf die Seite der Lober 
stellt und den Nachdruck auf des Meisters Arbeiten für den Holzschnitt 
legt, dafs wir getrost den Anspruch Hokusafs auf Nachruhm dem unvor- 
eingenommenen Urtheil der Zeit anvertrauen können. 
Alles in Allem ist das Werk Hokusafs, wie es in zahllosen 
Drucken uns übermittelt worden, eine wundersame Illustration zu dem 
Göthdschen Worte: "das Leben ist die schönste Erfindung der Natur". 
Eine Schaar von Schülern und Nachahmern hat bis auf unsere 
Tage die Art des Meisters in die Weite und Breite fortgeführt, ohne 
seine Phantasie und Lebensfülle zu erreichen. Bevor wir die wichtigsten 
unter ihnen kennen lernen, müssen wir jedoch noch einen Blick in das 
achtzehnte Jahrhundert, auf andere Abzweigungen des fruchtreichen 
Stammes der neuen Ukio-ye riu werfen. 
 Mehrere Gruppen von Malern pflegten mit Vorliebe die Dar-
        

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