Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Handwerk in Japan
Person:
Brinckmann, Justus
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1867160
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1869477
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Kunst 
und 
Japan. 
Handwerk 
aufwärts streben; ob die Blätter dünn oder dick sein, ob die Blumen 
ihr Antlitz oder ihre Rückseite zeigen, ob die Farben satte oder helle 
sein sollen, wie können wir es in diesen Dingen zur Vollkommenheit 
bringen, wenn wir nicht die Gegenstände selber studieren? Freilich 
finden wir stets unser Vermögen zu schwach für die Aufgabe, wenn 
es gilt, die Blüthen einiger geringen Pflanzen wiederzugeben, deren 
Lieblichkeit und Glanz unsere Augen blenden, und in denen die süfse 
Farbe des Lebens und Wachsthums uns entgegenscheint. In Wirklich- 
keit liegen sie aufserhalb des Bereiches der Kunst, weil es keine 
Mittel gibt, durch welche wir den schlichten Blumen Leben einflöfsen 
könnten. Daher müssen wir uns zu diesem Ende begnügen, unser Bestes 
zu thun, indem wir die Formen, den Anblick und die Besonderheiten 
der Blumen, die wir zu erzeugen wünschen, festhalten. Wann immer 
ich eine Blume oder ein Gras sehe, verfehle ich nimmer, meiner ma- 
geren Fertigkeit im Malen ungeachtet, sie nachzubilclen, damit sie mir 
in der Zukunft als Muster dienen. Freilich ermangeln auch diejenigen, 
welche Botaniker genannt werden, keineswegs, die Pflanzen mit ihren 
Blumen und Früchten und ihren Wurzeln und Stengeln auf das pein- 
lichste abzumalen; aber obgleich sie niemals auch nur einen Punkt un- 
berührt lassen, verderben sie doch oft den Stil der Malerei und ver- 
lieren aufserdem den feinen Geist. Solches zu wünschen, liegt mir sehr 
fern. Kurzgesagt, ich verstehe nur, der äufsersten Neigung meines 
eigenen Sinnes zu genügen und gebe in diesem'Buch den Schatz 
meiner Studien. Ki no Masatami. Geschrieben von ihm selbst." 
Aus der Shijo-Schule hervorgegangen, aber zu selbstständiger 
Bedeutung emporgestiegen ist Sosen, einer der gröfsten Meister in 
der Darstellung thierischen Lebens, am bekanntesten durch seine 
Bilder von Affen, die er mit unübertroffenem Geist und unvergleich- 
licher Kenntnifs ihrer Lebensgewohnheiten und ihres Körperbaues 
wiedergegeben hat, Bezeichnend, wenn auch vielleicht übertrieben, ist 
die Erzählung, Sosen habe sich, um die Affen bei ihrem ungestörten 
Treiben in der Wildnifs belauschen zu können, Monate lang in den 
Waldungen um Osaka urnhergetrieben, sich von Früchten und Wurzeln 
genährt, und schliefslich selbst etwas Affenartiges in Geberden und Be- 
wegungen angenommen. Sosen malte aber nicht nur Affen, auch 
Hasen und Hirsche, Ratten, Tiger, Pfauen und Fische, bald in. einer 
zarten Manier, von sorgfältigster Durchführung, bald in kühnem impres- 
sionistischem Pinselflug. Er starb i. 1821 im Alter von 74 Jahren. 
Unter den zahlreichen Künstlern, welche den Ruhm der Shijo- 
Schule in der ersten Hälfte unseres jahrhunderts hochhielten, ragt als 
einer der angesehensten Ho-yen hervor, dessen wundersame, mit 
farbigen Pflanzenstudien und Studien mannichfachen thierischen Lebens,
        

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