Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Handwerk in Japan
Person:
Brinckmann, Justus
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1867160
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1869410
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Die Malerei 
laPans. 
und nächtliche Abenteuer zehrten jetzt an 
deren Grofsväter Korea erobert hatten." 
der Kraft der jungen Männer, 
„Diesen Charakter der Zeiten", so sagt Fenollosa, „spiegelt auch 
ihre Kunst getreulich wieder. Den gröfsten Antheil nehmen vorweg 
die berüchtigten Schönheiten des Tages, die Schauspieler, die Gaukler, 
betrunkene Herren und thierische Gemeinheiten; unehrerbietige Karri- 
katuren der Götter, der Glanz und Flimmer schöner Kleider und ab- 
gedroschene Halb-Minuten-Skizzen, mit denen sich die seichtköpfigen 
Theeschlürfer aufregten, oder alte chinesische Zeichnungen in ihrer 
zwanzigsten Verdünnung, wie sie dem verzärtelten Geschmack des Zeital- 
ters zusagte. Kein Zweifel, dafs den Despoten von Yeddo wohlgefiel, ihr 
theures Volk so glücklich und so zufrieden mit ihren ungefährlichen 
Belustigungen zu sehen. Gewifs lassen sich manche ansprechende und 
einige neue Merkmale an der Kunst dieser Epoche nachweisen, aber 
offenbare Kinderei und Unaufrichtigkeit kennzeichnen sie. Das seelische 
Element ist entflohen und die materialistische Lustigkeit, welche übrig- 
geblieben, läfst sich nie für ächte künstlerische Begeisterung ausgeben." 
Diese auffälligen Gegensätze in der Beurtheilung einer nicht 
fern liegenden Zeit, aus welcher Kunstwerke in genügender Zahl er- 
halten sind, lassen sich schwer ausgleichen. Hier ist es gewifs am 
Platze, uns zu erinnern, dafs aus Fenollosa nicht nur der feine Kenner 
japanischer Kunst, sondern zugleich ein strenger Sittenrichter und der 
den Tokugawa-Shogunen abgünstige Anhänger des neuen Regime im 
Reiche des Mikado zu uns spricht. Auf alle Fälle müssen wir uns hüten, 
alle decorativen Künste und das Kunsthandwerk mit demselben Mafs zu 
messen, mit welchem Fenollosa die Kultur des I7. Jahrhunderts im 
Ganzen mifst, um uns kurz und bündig zu erklären, das 17. Jahr- 
hundert sei eine Zeit schrecklichen Verfalles, kaum jemals seit acht- 
hundert Jahren sei ein so tiefes Ebben der Kunst zu beobachten 
gewesen! 
Betrachten wir die neue Zeit in ihren einzelnen künstlerischen 
Kundgebungen, so stofsen wir wieder auf Nachkommen des Gründers 
der Kano-Schule, auf drei Söhne des Kano Takanobu, eines Ur- 
enkels des Kano Motonobu, von denen der älteste Tanyu, auch 
Morinobu genannt, von 1601 bis 1674 gelebt und es zum Rufe des 
volksthümlichsten Vertreters der Schule gebracht hat. Er wirkte u. A. als 
Mitarbeiter bei der malerischen Ausschmückung der zum Gedächtnifs 
des Jyeyasu erbauten Tempel von Nikko und hat als Kenner der 
Kunst des 15. und 16. Jahrhunderts Bücher mit Skizzen nach den 
Meisterwerken seiner Vorgänger hinterlafsen. Viele der von ihm ge- 
schaffenen Motive galten als für alle Folgezeit festgestellt; bis zu 
Hokusai, der sich mehr als eines der Motive Tanyu's angeeignet hat,
        

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