Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Handwerk in Japan
Person:
Brinckmann, Justus
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1867160
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1869400
Die 
Japans 
Malerei 
1 7. Jahrhundert. 
189 
welcher der Kano-Schule ganz neue Impulse gibt. Nach Fenollosas 
Ansicht war er in der Kunst Japans die letzte grofse Gestalt, deren 
Herz von dem innerlichen Feuer brannte, welches sich an der Fackel 
des Genius der Sung entflammt hatte. Aus Nichts schuf er die gröfste 
rein dekorative Malerschule, welche der Osten je gesehen hat. Der 
Glanz des Lebens in den kurzen Tagen von Hideyoshi's Macht und 
Ueppigkeit War ihm vor Allen zu verdanken. Damen und Herren 
bewegten sich gleich schillernden Vögeln durch Paläste und Gärten 
aus Gold und Regenbögen. Tempel und Schlösser und geräumige 
Hallen erhoben sich aller Orten im Lande mit Wänden und Decken, 
welche von der Hand Yeit0ku's, Sanraku's und ihrer Schüler 
mit Gold und Massen edelsteinfunkelnder Farben buchstäblich ausgelegt 
erschienen. Yeitoku war der Erste in Japan, welcher das Gold in 
grofsen Massen als Hintergrund für Malereien auf Wänden und Wand- 
schirmen anwandte. War diese Neuerung ihm eigen, so bewahrte er 
anderseits die volle Kraft der alten Schwarz- und Weifsrnalerei der 
Akademie seines Grofsvaters. Seine Landschaften und Figuren, seine 
Drachen und Tiger sind denjenigen Motonobu's nahezu ebenbürtig. 
Yeitoku starb i. j. 1590, sein Schwiegersohn Sanraku i. 1635. 
Als in der Schlacht von Sekigahara i.  t600 Jyeyasu seine 
Gegner vernichtet hatte, vom Mikado zum Sezlzltazlshögun d. h. 
„gr0fser Feldherr zur Züchtigung der Barbaren" ernannt worden war, 
seine Anhänger durch Austheilung von Lehen reich belohnt und die 
Huldigung des Adels in seiner Residenzstadt Yeddo entgegengenommen 
hatte, beginnt eine neue Epoche der japanischen Geschichte. Da 
das Land endlich Wieder unter der starken Regierung der Tokugawa 
des langentbehrten Friedens genofs, konnten, so meint Gonse, welcher, 
in Widerspruch mit Fenollosa, die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts 
als eine Zeit des Niederganges der Kunst betrachtet, alle Künste des 
Friedens wieder neue Blüthen treiben und die Malerkunst so hohen 
Aufschwung nehmen, dafs das 17. Jahrhundert sich den Höhezeiten im 
neunten, im elften bis zwölften, und im fünfzehnten Jahrhundert würdig 
anreiht.  
Diese Blüthe der Kunst unter der Herrschaft der Tokugawa- 
Shogune wird nun von Fenollosa auf das entschiedenste bestritten. Er 
sagt, im 17. Jahrhundert sei der japanische Geist der Lässigkeit und 
Plattheit verfallen. "Unter dem niederdrückenden despotischen System 
der Shogune gab es keinen Auslafs für Seelengröfse. Die Gesellschaft 
brachte ihre Zeit mit unzähligen Förmlichkeiten und nichtigen Einfällen 
zu. Was einst die lebendige Richtschnur und das Ideal lebender 
Helden gewesen, schrumpfte zusammen zu romantischen Ueberlieferungen 
und Wesenloser Ziererei. Puppen-Schauen, Hahnenkämpfe, Courtisanen
        

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