Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Handwerk in Japan
Person:
Brinckmann, Justus
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1867160
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1869371
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Kunst 
Japan. 
Handwerk 
Hofe des alten Kioto, ein Mangel, dessen Schuld übrigens eher in 
herkömmlicher Manier, als im Unvermögen lag, da dieselben Maler bei 
anderen Vorwürfen sowohl über die Kraft der chinesischen Schule wie 
über die gute Laune der modernen Handwerks-Künstler verfügen. 
Mit einer auffallenden Neuerung bereicherte die Tosa-Schule 
die japanische Kunst, indem sie die Fiction erfand und durchführte, 
sich die Dächer der Gebäude fortzudenken und so alle Vorgänge des 
Inneren aus der Vogelschau vorzufuhren. 
Auch das 14. Jahrhundert, obwohl eine Zeit kriegerischer 
Anarchie, Welche Schrecken und Verwüstung über das Land brachte, 
sah noch eine Reihe namhafter Maler erstehen, deren Glanz nur durch 
den höheren Ruhm der ihnen voraufgegangenen grofsen Meister ver- 
dunkelt wird. 
Gegen Ende desselben fällt die Wiederherstellung geordneter 
Zustände unter der Herrschaft des siegreichen Shögun Yoshimitsu 
aus dem Hause Ashikaga zusammen mit dem erneuerten Eindringen 
chinesischen Einflusses in die Literatur und in die bildende Kunst. 
Analog unserer römisch-griechischen Renaissance kann man für Japan 
von einer fast gleichzeitigen chinesischen Renaissance reden, Welche 
ihre Nahrung aus den unter den grofsen Dynastien der Tang 
 n. Chr.) und Sung (1o.-12. Jahrh. n. Chr.) in China ge- 
schaffenen Werken zog. Wieder stand ein Priester, Meitshio oder Cho 
Densu (1351-1427), inmitten der neuen Bewegung  mit markigem 
Pinsel weckt er die alte kräftige Weise des Kana-oka, so dafs ein 
gläubiger Buddhist in ihm eine neue Menschwerdung dieses Alt- 
meisters sehen könnte. Obwohl er sich auch als ein Meister harmo- 
nischer Farbengebung erweist, treten unter seinem Einflufs und dem- 
jenigen seines Zeitgenossen Jo setsu wieder die gewaltigen und decora- 
tiven Improvisationen der chinesischen Schwarz-Weifs-Maler in den Vorder- 
grund, und vor ihnen erbleicht der Farbenschirnmer der fein ausgeführten 
Malereien derTosa-Schule. Als die grofsartigste Leistung des Cho 
Densu preist Anderson die im Tofukuji-Tempel zu Kioto bewahrten 
Kakemonos mit den fünfhundert Schülern des Buddha Cakya-Mouni. 
In packender Individualität hat er jeden Einzelnen aus dieser Menge 
gestaltet, und dennoch tragen sie alle den gemeinsamen Stempel geistiger 
Würde, welcher sie als "Arlzat" oder "die verehrungswürdigen Männer" 
kennzeichnet. 
Ist Cho Densu vor Allem ein Figurenmaler von umfassender 
Begabung, so tritt in dem wahrscheinlich aus China stammenden Jose tsu, 
dem Gründer einer mönchischen Malerschule zu Kioto, ein durch 
die schlichte Naturwahrheit und Schönheit seiner Landschaftsbilder 
ausgezeichneter Künstler und in dem gleichfalls in Japan naturalisirten
        

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