Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Handwerk in Japan
Person:
Brinckmann, Justus
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1867160
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1869315
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und 
K unst 
Handwerk 
Japan. 
und nur einzelne Theile mit wenigen dünnen Farben lasirt sind, wie 
solches schon bei den Meistern der alten chinesischen, der Sesshiu- 
und der Kano-Schule vorkommt, heifsen Usu-zazklzzkzl Hiervon 
werden die mit zahlreichen, voll und deckend aufgetragenen Farbstoffen 
colorirten Bilder, welche schon früh als Werke buddhistischer Maler 
vorkommen, für die Tosa-Schule recht eigentlich bezeichnend, aber 
auch der chinesischen und der Kano-Schule nicht unbekannt sind, als 
Goleu-zazlrlzzki unterschieden. Eine freiere Haltung des Colorits vieler 
Meister der Kano-Schule in ihrer mittleren Zeit und der Shijö-Schule 
des achtzehnten Jahrhunderts wird als ChziZ-zazlrkzki bezeichnet. End- 
lich kommen noch einfarbig oder nur in Gold ausgeführte Malereien vor. 
Die Verwendung durchscheinender Seide als Malgrund gestattet 
den Malern, auch die Rückseiten ihrer Bilder in ähnlicher Weise, wie 
dies bei uns von den Miniaturmalern auf dünnen Elfenbeinplatten ge- 
schehen ist, zu bemalen und damit zarteste Wirktingen zu erreichen 
und zugleich einen Theil der Farben gegen oberflächliche Beschädi- 
gungen zu schützen. 
Feinstes Gefühl für den Wohlklang der Farben, meisterliche 
Handhabung der Abtönungen und der Gegensatzwirkungen sind glück- 
liche Vorzüge der japanischen Maler gewesen, so lange nicht der un- 
selige Einflufs europäischer "Farbstoffe seine überall im Morgenlande 
verrohend auftretenden Wirkungen auch auf die Maler und Farben- 
drucker Japans erstreckte. Zum Glücke scheint es, als ob dort schon 
eine Gegenströmung eingreift und die Ueberlieferungen aus der guten 
Zeit, wo die Japaner Meister der Farbenharmonie waren, wieder Ober- 
wasser erhalten. 
Dagegen haben die japanischen Maler kein Verständniis gehabt 
für die Erscheinungen des Helldunkels. Freilich schreibt einer der 
älteren Künstler der volksthümlichen Schulen, Nishi-gawa Suke- 
nobu, in einem die Malerei behandelnden Anhang zu seinem illustrirten 
Sagenbuch "E-lzon yamato kgii", im Jahre 1742: "Die Vertheilung von 
Licht und Schatten in den Pflanzen und Figuren mufs richtig verstan- 
den werden; beim Malen des Laubes oder der Halme müssen deren 
obere Flächen das Sonnenlicht zeigen, die unteren oder dunkleren 
Theile im Schatten bleiben; Bäume und Felsen sind nach gleichen 
Grundsätzen zu behandeln und bei Figuren müssen die Falten der 
Kleidung lichtere und dunklere Theile darbieten. Alles dies mufs 
genau studirt werden." Die Nutzanwendung bleibt aber aus  man 
gibt nicht das Spiel der Lichter und Schatten, wie wir es in der Natur 
sehen, wieder, sondern ideale und conventionelle Schatten von chine- 
sischer Erfindung. Urwüchsig japanische Bilder zeigen daher weder 
Glanzlichter noch zurückgeworfene Farben, kaum Spuren von Helldunkel.
        

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