Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Handwerk in Japan
Person:
Brinckmann, Justus
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1867160
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1869301
Die 
Malerei Japans. 
Perspective. 
179 
Periode des ersten Aufschwunges der japanischen Malerei unter dem 
Einflüsse Chinas; denn für den Mangel der Perspective bei den chine- 
sischen Malern, welche, wenn nicht immer, so doch oft genug vor 
senkrecht gestellten Bildflächen arbeiteten, kann jener Grund den Aus- 
schlag nicht geben. jedenfalls haben die japanischen Maler, als sie 
vor tausend Jahren die grofsen Meister der Tang-Dynastie zu Vor- 
bildern nahmen, mit den die Werke derselben auszeichnenden Vorzügen 
auch deren perspectivische Mängel übernommen. So mächtig War der 
Einflufs dieser Vorbilder, dafs die Japaner niemals darauf kamen, die 
ihnen wohlbekannte Beobachtung, dafs entferntere Gegenstände kleiner 
erscheinen als näherliegende, auf die ferneren und näheren Theile eines 
und desselben Gegenstandes anzuwenden. Noch heute verleugnen die 
von dem eingeborenen Kenner vorbehaltlos anerkannten rechtgläubigen 
Malerschulen Japans die Gesetze der Linear-Perspective.  
Erst die Neuerer der volksthümlichen Schule, welche sich in 
ihrer Heirnath nur sehr bedingter Anerkennung abseiten der Kenner- 
schaft erfreuen, haben vor hundert Jahren die ersten schüchternen Ver- 
suche im perspectivischen Zeichnen gemacht. Die ersten Beispiele 
findet man in den im Jahre 1794 von Shi-ba Gö-kan illustrirten 
Reisebeschreibunigen. Dieser Künstler führte auch den Kupferstich 
ein, dessen Verfahren er von den Holländern zu Deshima erlernt hatte, 
und verdankte seine noch sehr unsichere Kenntnifs der Perspective 
offenbar europäischen Vorbildern. Etwas später macht auch Hokusai, 
der Hauptmeister der Schule, in den 1810 unter dem Titel "Suzka 
gwa den" erschienenen Geschichten chinesischer Helden, sowie bei der 
Darstellung des Inneren von Tempeln perspectivische Versuche. Der 
alte chinesische Untergrund schlägt aber bei ihm immer noch Wieder 
durch und erst in unserem Jahrhundert hat der 1850 von der Cholera 
hingeraffte Hiro-shige, einer der fruchtbarsten Landschaftsmaler für 
die Farbendruck-Bücher und Einzelbilder, regelmäfsige, wenn auch fehler- 
hafte Anwendung von den Regeln der Linear-Perspective gemacht. 
In Ermangelung einer linear-perspectivischen Vertiefung der 
Hintergründe haben die japanischen Maler, wie Anderson bemerkt, die 
Wirkungen der Luft-Perspective in den Landschaftsbildern übertrieben. 
Auch jene conventionellen Wolken und Nebelstreifen, welche so häufig 
die Bildflächen durchziehen, scheinen dem Gefühl entsprungen zu sein, 
das Bild durch kulissenartig abgestufte Gliederung seiner Gründe zu 
vertiefen. 
Hinsichtlich der angewandten Farben unterscheiden die Japaner 
zwei grofse Gruppen, die Sumi-yä, reine SchWarz-weifs-Malereien und 
die Sazlsläzki, bei welchen aufser der schwarzen Tusche noch andere 
Farben vorkommen. Malereien, bei welchen die Tusche vorherrscht 
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