Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Handwerk in Japan
Person:
Brinckmann, Justus
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1867160
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1869293
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in Japan. 
Handwerk 
und 
Kunst 
durch ähnliche, aber weniger lustige Versuche des Gerard Lairesse, 
dessen Anleitung zur Zeichenkunst Hokusai gekannt haben mufs. Weiter 
einen Fischer in rundem Hut und Regenmantel und einen anderen, mit 
dem Netze fischenden aus lauter Kreisen und Dreiecken. Kreislinien 
fügen sich zur aufgeblähten Kröte, zum dickbäuchigen Fuku-Fisch, zur 
Kürbisflasche Tsugeds; Libellen, Schmetterlingen, Heuschrecken wer- 
den mathematische Figuren zu Grunde gelegt. Ebenso in einem neuer- 
dings wieder aufgelegten Buche desselben Meisters unter dem Titel 
"Rzkz-ku gwzz lzaya manabf". Hier sehen wir den chinesischen 
Löwen mit seinen spiralischen Schwanzlocken aus lauter Kreisen, ebenso 
ein am Rebstock sitzendes Eichhörnchen, die Weinblätter aber aus 
Sechsecken construirt. Liegende Pferde und Büffel, eine Schildkröte 
mit felsenbewachsenem Rückenschild sind aus Kreislinien, Vier- und 
Sechsecken zusammengesetzt, Hahn und Henne aus Quadraten, Wat- 
schelnde Gänse und in gleicher Weise ein vor- 
 q-j nehmer Tänzer in der Schlepphose aus lauter 
I) Rauten. Komische Masken der pausbäckigen 
 Okame, eines rüsselmäuligen glotzäugigen Mannes 
 y  x und eines Teufels sind aus Kreisen construirt  
IÄ) l eine unzweifelhafte Erinnerung aus des Gerard 
ß  Lairesse im Jahre 1746 ausgegebenen "Principes 
X  du dessin"  nur mit dem Unterschiede, dafs 
[Xf  Lairesse seine Hülfslinien ernst nimmt, Hokusai 
die seinigen kurzweilig auffafst. Sogar an den 
h, Wellenlinien bewegten Wassers ist der Nachweis 
versucht, dafs sie auf Kreisbogen sich zurückführen 
lassen. Alles das aber macht einen mehr ergötz- 
lichen, als auf ernstliche Anwendung abzielenden Eindruck. Die japa- 
nischen Künstler mögen weidlich gelacht haben über diese vermeint- 
lichen Eselsbrücken ihrer abendländischen Kollegen, es ihnen in der 
Praxis gleichzuthun lag ihnen sicherlich fern. 
Gierke hebt hervor, der Umstand, dal's die japanischen Künstler 
stets auf dem F ufsboden hockend,über ihre Bildfläche gebeugt, arbeiten, sei 
mit ein Grund dafür gewesen, dafs man in Japan trotz aller malerischen 
Begabung nicht selbständig die Linear-Perspective fand. In jener Stel- 
lung, in welcher man stets nur senkrecht auf das Bild hinabsehe, werde 
die Perspective weniger vermifst und zumal bei den Makzmono, die 
auch nach der Vollendung immer in gleicher Weise angeschaut Wür- 
den, scheine Alles in Ordnung zu sein. Ueberhaupt habe jene Stel- 
lung insofern hemmend auf die Malerei gewirkt, als der Künstler sein 
entstehendes Werk nie anders als von demselben Punkt aus betrach- 
ten konnte. Für die spätere Zeit mag das zutreffen, weniger für die
        

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