Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Handwerk in Japan
Person:
Brinckmann, Justus
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1867160
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1869268
Die 
Malerei Japans. 
Beziehungen 
zur Schönschreibekunst. 
175 
mit dem Suzkaleu-ien genannten, dem Sinn-Charakter der Schrift ent- 
sprechenden Stil, welcher an Umrissen von durchweg gleicher Stärke 
kenntlich ist. Manieren mit eigenartig eckigen Umrissen, welche durch 
stellenweises stärkeres Aufdrücken und Absetzen des Pinsels erzeugt 
werden, mit zitterig gezackten Umrissen, in Folge rasch wiederholten 
Aufdrückens der Pinselspitze, Manieren mit wogig geschwungenen und 
schwellenden Umrissen schliefsen sich an bis zur zehnten, "Äfamfo lau" 
genannten, die der So-Schrift entsprechen soll und bei welcher nicht 
nur die Spitze des Pinsels, sondern stellenweise auch jeder andere 
seiner Theile das Papier berühren darf, wobei die eilig über die 
Fläche fegende, zu kühnen Druckstrichen schwellende flüchtige Cursiv- 
schrift vorschweben soll, ein Stil, in welchem u. a. der vielgenannte 
Tanyu gern arbeitete. Freilich treffen alle diese Analogien nur zu 
in der Darstellung der faltigen Gewänder, an Köpfen und Händen lassen 
sie sich eigentlich nicht nachweisen. Anderson fügt seiner Uebersetzung 
dieser merkwürdigen Erklärungen Copien der Abbildungen bei, auf 
welche der japanische Verfasser sich als auf typische Beispiele bezieht. 
Von der übernatürlichen Kraft, welche man den Schriftzügen 
berühmter Schreibkünstler beilegte, zeugen viele Geschichtchen, die 
den des Schreibens beflissenen Kindern erzählt werden. Kobo-Daishi, 
einer der gröfsten Gelehrten des 8. Jahrhunderts, ein Kenner des Chi- 
nesischen und des Sanskrit, Hauptförderer des Buddhismus und Erfin- 
der der japanischen Silbenschrift Kaia-kmza, spielt als kalligraphischer 
Zauberkünstler die Hauptrolle dabei. So schön wufste er heilige Sprüche 
in die Luft zu schreiben, dafs goldene Kronen über den Wortzeichen 
wuchsen und die bösen Geister entwichen. Auch die Dichter schöpfen 
bisweilen Vergleiche aus den Werken der Schönschreiber; so vergleicht 
Matsuki, ein bei dem Sturz des Shogunates und der Neugestaltung 
seines Vaterlandes erfolgreich thätig gewesener Gelehrter, in einem 
von de Rosny mitgetheilten Distichon den Flug der Wildgänse am 
Wolkenhimmel den mit flüssiger Tusche gezogenen Schriftzeichen. 
Sogar der Humor hat sich der Verwandschaft des Schreibens 
mit dem Zeichnen bemächtigt. Kleine Bilderhefte, zumeist der Ukzjlo- 
Schule entsprossen, geben mit viel Behagen und mehr oder minderem 
Witz Beispiele dafür. Ein im Jahre 1854 unter dem Titel "Rzkzku-gwa 
tebzkzlgusa" d. h. Lehrbuch einfacher Bilder, erschienenes Büchlein, dem 
die umstehende Zeichnung eines lesenden Mannes entnommen ist, führt 
eine Reihe komischer und ernster Figuren Vor, deren Umrisse aus 
Schriftzeichen gebildet sind, welche freilich nicht immer in greif- 
barer Beziehung zum Gegenstande stehen. So kehrt in dem umstehen- 
dem Bilde das T-förmige Wortzeichen für "Yama" Berg fünf- oder 
sechsmal wieder. Der Mann, Welcher auf Seite 177 so fröhlich eifrig
        

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