Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Handwerk in Japan
Person:
Brinckmann, Justus
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1867160
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1869202
Die 
Japans, 
Malerei 
Papier: 
Seide 
und 
Pinsel. 
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wie dafs die kaiserlich japanischen Papierfabriken den europäischen 
Markt mit Formaten versorgen, wie sie den bei unserem Buchdruck 
üblichen entsprechen. In Paris erscheint heute kein auf geschmack- 
volle Ausstattung Anspruch erhebendes Werk, ohne dafs dem "Ama- 
teur" Abzüge auf japanischem Papier geboten Würden. 
In älterer Zeit wurde die für Malereien benutzte Seide, E-gzäzu, 
ausschließlich aus China bezogen, seit dem 17. Jahrhundert aber wird 
sie auch in Kioto gewebt, Wozu der berühmte Maler Tanyu aus der 
Kano-Schule die Anregung gegeben haben soll. Diese Maler-Seide 
ist ein sehr feiner gaze-artig gewebter Stoff, welcher sorgfältig mit 
Dio-sa geleimt wird, indem man das Gewebe über einen Holzrahmen 
streckt, die Kanten durch übergeklebte Papierstreifen befestigt, das 
Leimwasser auf die Rückseite pinselt und während mehrerer Tage 
härten läfst. Nach Bedarf wird dasselbe Verfahren noch ein- oder 
zweimal wiederholt und die Seide dann bemalt wie sie ist oder zuvor 
auf Papier geklebt. 
Der Herstellung guter Pinsel wird unübertreifliche Sorgfalt ge- 
widmet. Pferde-, Hirsch-, Hasen-, Katzen-, Marder- und anderes Haar 
wird in runde Halter aus Bambusrohr oder in flache breite Halter aus 
weichem Holz gefafst. Die verschiedenen Malerschulen, deren künst- 
lerische Bedeutung wir im weiteren Verlaufe dieses Abschnittes kennen 
lernen werden, bedienen sich eigener Pinsel, von denen Audsley die 
den heutigen Vertretern der T0sa-, der Kano- und der Körin- 
Schule eigenen Sätze abbildet. Der Satz der Tosa-riu besteht aus 
vierzehn rundgefafsten Pinseln, deren gröfster nicht viel über Zolllänge 
bei Bleistiftdicke hat. Auffallend sind kleinere, das Wesen der Schule 
schon verkündende, feine und ganz spitze Pinsel, alle aus starkem, 
elastischem Haar, der kleinste schwarzhaarige so fein, dafs man mit ihm 
dem nackten Auge fast unsichtbare Striche ziehen kann. Audsley fügt 
hinzu, er habe sich durch Versuche überzeugt, dafs kein besserer Satz 
von Pinseln zu denken sei für das Malen nach Art unserer mittelalter- 
liehen 
Miniaturisten. 
Die dreiundzwanzig Pinsel des Satzes der Kano-riu sind durch- 
schnittlich von gröfserer Fülle des Haares. die spitzen Pinsel weniger 
fein und nur in geringer Zahl; dafür fallen die in Holz gefafsten breiten 
flachen Pinsel, fünf von verschiedener Gröfse, als die Werkzeuge auf, 
mit deren Hülfe die Kano-Maler jene erstaunlichen Schwarz- und 
Weifs-Bravourstücke auf das Papier schmettern, welche ihre Stellung 
in der Malerkunst allerdings bei Weitem nicht erschöpfen. aber doch 
kennzeichnen. 
Der dritte Satz, der KGrin-riu, weist unter seinen einundzwanzig 
Pinseln die kleinsten, am kürzesten behaarten und auch die üppigsten
        

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