Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Handwerk in Japan
Person:
Brinckmann, Justus
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1867160
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1869152
164 
und 
Kunst 
Japan. 
Handwerk in 
Quellenkunde in Anspruch nehmen darf, kann zugegeben werden. 
Gegenüber seiner kunsthistorischen Kritik drängen sich aber dem vor- 
urtheilsfreien Leser zwei ernstliche Bedenken auf. Einmal  und das 
tritt besonders in seiner geradezu verächtlichen Beurtheilung Hokusafs 
und seiner Schule zu Tage  schreibt Fenollosa Kunstgeschichte, 
wie sie etwa ein Cornelianer stricter Observanz Angesichts der reali- 
stischen Neuerer unserer Tage schreiben würde, und dann scheint er 
nicht unbeeinflufst zu sein von einer politischen Strömung, welche die 
glanzvolle, wenn auch nicht zum Erhabensten aufgestiegene Kunstent- 
wickelung während der Herrschaft der Tokugawa-Shogune verdunkeln 
und rückblickend über den Jahrhunderte langen Winterschlaf der 
kaiserlichen Macht hinweg jene Zeiten wieder erwecken möchte, wo 
der Abkömmling der Sonnen-Göttin die alleinige Sonne war, in deren 
wärmendem Glanze alle Künste sich entfalteten. Fenollosa fühlt der 
japanischen Kunst des neunzehnten Jahrhunderts gegenüber ganz wie 
ein vornehmer Japaner am alten Kaiserhof zu Kioto gefühlt haben 
würde, und da können Zusammenstöfse mit Männern nicht ausbleiben, 
welche sich, wie Gonse, eine freiere, durch die zünftigen Anschauungen 
der japanischen Kenner nicht gefesselte Auffassung bewahrt haben. 
Das unvergängliche Verdienst von Gonse, in begeisterten Worten 
nachgewiesen zu haben, dafs die japanische Malerkunst nicht nur 
barbarische Kuriositäten erzeuge, nicht nur im Skizziren oder in deco- 
rativem und conventionellem Schaffen beruhe, sondern Kunst sei schlecht- 
hin, in des Wortes erhabenster Bedeutung  dieses Verdienst wird ihm 
immer bleiben und ihm von Fenollosa auch nicht bestritten. 
Bevor wir jedoch versuchen, an der Hand dieser Gewährsmänner 
dem Entwickelungsgange der japanischen Malerkunst zu folgen, bedarf 
es eines Blickes auf die Erscheinungsformen ihrer Erzeugnisse als 
Gegenstände des Schmuckes der Wohnräume und der Tempel, sowie 
auf die von unseren Malverfahren wesentlich abweichende Technik der 
japanischen Maler. 
Die typische Form des japanischen Gemäldes ist das Rollbild 
"Kakemono". Die papierne oder seidene Bildfläche hat die Gestalt eines 
überhöhten, oft sehr schlanken Recht- 
{X eckes und wird von einer Ein- 
 W fassung umrahmt, Welche bei neueren 
 wie? J Bildern auskleingemustertem,gedruck- 
    tem oder gemaltem Buntpapier, bei 
[5  E. "K,  I,  i) werthvolleren alten aus oft kostbaren 
  01,7 Seidengeweben besteht, deren Farben 
 "X-    zu denjenigen des Gemäldes stimmen 
Liebhaber, ein Kakemono betrachtend. müssen und  den buddhistischgn
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.