Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Handwerk in Japan
Person:
Brinckmann, Justus
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1867160
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1869089
Die 
technischen 
Künste 
Allgemeinen. 
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als, wie die angeführten Beispiele zeigen, die vorlgianifsbräuchlichem 
Zunftzwang ebensosehr wie von mifsverstandener Auslegung der Regeln 
vom Stil nicht angekränkelten Japaner ihre stofflichen Freiheiten we- 
sentlich für farbige Wirkungen in der plastischen Kunst, also auf einem 
Gebiete ausnutzen, welches auch dem Abendlande wieder aufzudäm- 
mern beginnt. 
Die den Japanern eigenartige Mischung der Stoffe und ihrer 
Bearbeitungsweisen wird sich Jedem fühlbar machen, welcher versucht, 
japanische Erzeugnisse in eines der "Systeme" unserer kunstgewerb- 
liehen Museen einzuordnen. Bald genug wird er merken, dafs es mit 
dem System nicht geht und man Japanisches den Japanern lassen mufs, 
d. h. dafs technische Gruppen nicht ohne den Dingen Gewalt anzu- 
thun durchzuführen sind, sondern eine den Lebensverhältnissen des Ur- 
sprungs-Landes angeschmiegte, mehr kulturgeschichtliche Anordnung 
allein das Richtige trifft. S0 begegnet uns schon in diesem Zusammen- 
hang in der technischen Gesammterscheinung des japanischen Kunst- 
handwerkes letzteres als gegen die verwandten Leistungen der meisten 
übrigen Culturvölker abgeschlossen, als die Schöpfung eines ganz eigen- 
artigen Volks-Einzelwesens. 
Derselbe Eindruck wiederholt sich, wenn wir die einzelnen Be- 
standtheile des Bildes unter einander vergleichen. So klar auch die 
gemeinsamen Merkmale, welche alles Japanische als solches kenn- 
zeichnen, so tritt doch die persönliche Färbung, welche jeder Arbeiter 
mehr oder minder den Werken seiner Hände aufprägt, in den Erzeug- 
nissen des japanischen Kunsthandwerkes augenfalliger und greifbarer 
zu Tage, als bei den Erzeugnissen irgend eines anderen der grofsen 
asiatischen Culturvölker, der Inder, der Perser und auch- der den Ja- 
panern kunstverwandten Chinesen. Auch die kunstgewerblichen Er- 
zeugnisse des Abendlandes in alter wie in neuer Zeit entbehren im 
grofsen Ganzen jenes Gepräges höchst persönlichen Strebens und Ver- 
mögens, welches Jeden, der sich eingehend mit Alt-Japan beschäftigt 
hat, entzückt und nicht zum mindestens eine der treibenden Ursachen 
für die Vorliebe feinsinniger Sammler gerade für japanische Erzeug- 
nisse ist. Nirgend begegnen wir unter letzteren der massenhaft er- 
zeugten Dutzend-Waare, wie sie bei uns in alter und neuer Zeit als 
eine nothwendige Folge entwickelter Volkswirthschaft und beziehungs- 
reichen Welthandels erzeugt wird. Jeder einzelne Arbeiter scheint von 
dem Streben geleitet, Leistungen hervorzubringen, welche sich von de- 
nen seiner Vor- und Nebenmänner schon hinsichtlich ihrer Technik ab- 
heben, und es gelingt ihm, weil ihn nicht jene bei uns so gefährliche 
Sucht nach dem Prahlenden, nur äufserlich Neuen drängt, sondern er 
zugleich jedem Werke seiner Hand den Odem seines persönlichen
        

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