Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Handwerk in Japan
Person:
Brinckmann, Justus
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1867160
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1869046
technischen 
Die 
Künste 
Allgemeinen. 
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Bei uns zehrt die Schauseite der Dinge, wie ja leider auf manchen 
anderen Gebieten am Mark des Lebens, so auch an der Gesundheit des 
kunstgewerblichen Schaffens. Auf diese Schauseite wird alles ver- 
schwendet, was von sorgsamer Arbeit, von echtem oder falschem Glanz 
und von Anleihen bei der Kunst irgend aufzuwenden ist; die Kehr- 
seite mufs sich dafür mit um so ärmlicherem Auskommen begnügen, 
 und nicht selten möchte man sich bei mancher blendenden Neuheit 
unseres Kunsthandwerkes jener stählernen Scheeren erinnern, welche, 
fein geschliffen und auf reich in Farben verzierte Kartons genäht, eine 
Zeit lang ein begehrter Tauschartikel für nordafrikanische Stämme 
waren, die es in ihrer Herzenseinfalt nicht anfocht, dafs die Scheeren 
auf der nicht sichtbaren Kehrseite noch die rohe Gufshaut trugen, wenn 
sie nicht gar, was auch vorgekommen sein soll, der Bequemlichkeit 
halber gleich in einem Stücke gegossen waren. Behandelt der Japaner 
die Kehr- und Innen-Seiten in richtigem Tact auch nicht immer den Schau- 
seiten gleichwerthig, so wird er sie doch niemals vernachlässigen, denn 
er fühlt sich bei der Arbeit nicht nur als Lohnsclave der Menge, von 
deren Geld er leben will, sondern er schafft zugleich mit voller Liebe 
zur Sache, sich selbst zum Genügen,  wenigstens schuf er so, bevor 
die Verbindung mit Europa und Amerika sein Vaterland in die Strudel 
des Welthandels fortrifs. 
In scheinbarem Widerspruch mit den angedeuteten Vorzügen 
der japanischen Gewerbserzeugnisse steht das nicht seltene Vorkommen 
solcher Arbeiten, welche dem oberflächlichen Blicke den Eindruck 
einer gewissen Rohheit und unentwickelter, eine niedere Stufe des 
technischen Vermögens bekundender Technik machen. Geht man den 
Ursachen dieser auffallenden Erscheinung auf den Grund, so wird man 
alsbald bemerken, dafs es sich hier weder um ein Nichtkönnen, noch 
um eine Verrohung der Arbeit handelt, sondern dafs der Japaner als 
leidenschaftlicher Verehrer der kunstgewerblichen Alterthümer seines 
Volkes Eigenschaften, die er an ihnen wahrnimmt, an gewissen Gegen- 
ständen, wenn nicht des täglichen, so doch jeweiligen festlichen Ge- 
brauches wiederzufinden liebt. Belege hierfür aus der Töpferkunst 
finden wir in den bei den feierlichen Theegesellschaften, Cäarzoyzz, 
benutzten Trinkschalen, welche Formen und Farben alterthümlicher 
Gefäfse aus der Zeit, wo diese Zusammenkünfte gebildeter Männer 
zuerst in Aufnahme kamen, beibehielten, obwohl der entwickelteren 
Technik weit reichere Ziermittel zur Verfügung standen, als den Töpfern 
jener entlegenen, von der Drehscheibe noch keinen Gebrauch machen- 
den Zeit. Demselben Geiste war die Sitte entsprungen, gewisse Arten 
der Chanoyu in Räumen abzuhalten, deren Wände aus unbehauenen 
Stämmen gezimmert waren. 
        

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