Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Handwerk in Japan
Person:
Brinckmann, Justus
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1867160
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1869036
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Kunst 
und 
Handwerk in 
Japan. 
welche dem geringsten Erzeugnifs des Böttchers, Korbflechters und 
Töpfers für den Hausrath des kleinen Mannes nicht minder eigen, wie 
der schlichten Zimmermannsarbeit an den im alterthümlichsten Stile 
erbauten Kami-Tempeln und den farbenprangenden Schnitzwerken und 
Erzzierrathen an den Prachtbauten der Buddhisten. Dank diesen, dem 
Japaner im Blute liegenden Vorzügen seiner Handarbeit ist ihm jene 
Trennung von Gebrauchs- und Ziergeräth fern geblieben, welche eines 
der bedenklichsten Krankheitssymptome des heutigen abendländischen 
Kunsthandwerkes ist. Auch da, WO Zweck und Mittel keine 
schmückende Zuthat gestatten, verleiht die Gediegenheit der Aus- 
führung neben vollkommenster Zweckangemessenheit jedem Gefäfs Oder 
Geräth bescheidene Reize, welche wir Europäer den für die Alltags- 
arbeiten im Haushalt dienenden Gegenständen kaum jemals zu geben 
beflissen sind, um dafür auf der anderen Seite desto mehr in völlig 
zwecklosem Putzwerk zu vergeuden. Der Japaner beginnt damit, 
das Nothwendige gut zu machen und hat seine helle Freude daran, 
wenn sein Hausrath nicht nur den nüchternen Zweck genau erfüllt, 
sondern zugleich seinem Auge gefällig begegnet. Anderseits haben 
Ziergegenstände, denen kein vernünftiger Zweck zu Grunde liegt, wie 
sie auf dem kunstgewerblichen Markt des Abendlandes vorherrschen, 
für sein einfaches Gefühl nur eine sehr beschränkte Daseinsberechtigung. 
Der Eimer, in welchem die Hausfrau das Wasser vom Brunnen holt, 
der geflochtene Wandkorb, in welchem ein frischer Blüthenzweig auch 
die Hütte des Aermsten freundlich schmückt, der aus Kupfer gehäm- 
merte Kessel zum Sieden des Theewassers, der Besen zum Fegen der 
sauber geflochtenen Binsenmatten erscheinen im Vergleich mit den ent- 
sprechenden Gegenständen unseres Haushaltes an und für sich auch 
dem Auge des Europäers nahezu "salonfähig"  so wenig haben uns 
die technischen Errungenschaften unseres Jahrhunderts bisher auf dem- 
jenigen Gebieteiverwöhnt, auf dem man von ihnen ein, alles Voraus- 
gegangene überflügelndes Schaffen hätte erwarten dürfen. Während 
bei uns die Unterscheidung des Kunstgewerbes als eine besondere 
Stufe gewerblicher Arbeit, so wenig sie in der Sache selbst begründet 
sein mag, den einmal herrschenden Zuständen entspricht, trifft sie für 
Japan nicht zu, wo der geringste Arbeiter nichts schafft, ohne seiner 
Hände Werk, selbst in der gröfsten Beschränkung, mit dem Vorzug 
relativer Vollkommenheit, mindestens in technischer Hinsicht, aus- 
zustatten. 
Stehen die Japaner, was die technische Durchführung ihrer kunst- 
gewerblichen Erzeugnisse betrifft, unbestritten auf einer von keinem 
anderen Volke unserer Zeit übertroffenen Höhe, so haben sie einen 
Weiteren Vorzug mit noch anderen Völkern des Morgenlandes gemein.
        

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