Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Handwerk in Japan
Person:
Brinckmann, Justus
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1867160
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1868873
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und 
Kunst 
in Japan. 
Handwerk 
Die Geschichte der Rüstung in der kriegerischen Vorzeit Japans 
ist noch unaufgeklärt, für uns Europäer wenigstens, denn Japan selbst 
besitzteine reiche Literatur über dieselbe, zu welcher die in vielen 
Tempeln bewahrten Rüstungen grofser Fürsten und Krieger den Stoff 
geliefert haben. Berühmt vor anderen sind die alten Waffen des 
Schatzes in dem von Yoritomo vor siebenhundert Jahren zu Ehren des 
Kriegsgottes Hachiman bei Kamakura erbauten Tempel und die in 
mehreren Werken abgebildeten Rüstungen des Tempels von Idzu- 
kushima, wo u. A. noch Helm und Rüstung des Yoshi-iye, eines 
der volksthümlichsten Helden des 11. Jahrhunderts und Begründers der 
Militärmacht des Hauses Minamoto, bewahrt werden. Den reichsten 
Schatz von Alterthümern aber birgt das uralte Kaiserliche Schatzhaus von 
Todaiji in der alten Kaiserstadt Nara. Dort hat sich in einem unscheinbaren 
altersgrauen Holzbau der von den Nachkommen Jimmu-Tennö's im 
Laufe eines Jahrtausends angehäufte Schatz alter Waffen und kunst- 
gewerblicher Alterthümer jeglicher Art, in Bürgerkriegen und bei poli- 
tischen Umwälzungen nicht angetastet, bis in unsere Tage erhalten. 
Noch ist dieses älteste Kunstgewerbe-Museum der Welt der Wissen- 
schaft verschlossen, nur wenige Europäer haben flüchtige Blicke auf 
einen Theil seines überreichen Inhaltes werfen können. Oeffnen sich 
einst die Pforten dieses Schatzhauses des Mikado, so wird aus ihm ein 
helles Licht über die Vorzeit der japanischen Kunst ausströmen  und 
nicht über diese allein, denn auch Alterthümer Koreas, Chinas, Indiens 
und Persiens soll es in Fülle bergen. 
In wieweit die von den Japanern selbst in neuerer Zeit ange- 
stellten archäologischen Untersuchungen den Ansprüchen genügen, 
welche europäische Wissenschaft erhebt, vermögen wir so lange nicht 
zu beurtheilen, bis der japanischen Sprache und der Geschichte und 
Technik des Kunstgewerbes in gleichem Mafse kundige Europäer die 
Ergebnisse der japanischen Alterthumskunde geprüft haben werden. 
Auf alle Fälle bieten die vielen trefflichen Abbildungen eine sichere 
Grundlage für die Weitere Forschung. 
Das Ergebnifs der Untersuchungen über die alte Tracht und Be- 
waffnung der Japaner hat Kiku-chi Yö-sai aus Kioto, einer der gröfsten 
Künstler neuerer Zeit, in einem zobändigen Werke, dem Zezzken-Kojftsou, 
d. h. der Vorzeit lobesamer Helden Alterthümer, dargelegt, zu dem 
er selbst mit umfassendem Wissen den Text und mit schwungvollem 
Pinsel die Abbildungen geliefert hat. Eine grofse Anzahl berühmter 
Männer und Frauen, Helden, Dichter, Gelehrte, von den mythischen 
Zeiten bis zu Yoritomo und Yoshitsune, führt Yösai an uns vorüber. 
Jeder ist mit Gewand und Bewaffnung, wie sie von ihm nach des 
Künstlers Meinung getragen worden, ausgestattet und in einer Hand-
        

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