Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Handwerk in Japan
Person:
Brinckmann, Justus
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1867160
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1868792
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Kunst 
in Japan. 
Handwerk 
des Abendlandes von jeher eine bedeutsame Rolle gespielt haben. 
Erst in neuester Zeit haben europäische Vorbilder die alte Sitte ver- 
drängt. Auch jetzt aber noch wird wie früher die japanerin der guten 
Gesellschaft im Gebrauche von Schmuck bescheiden sein. Reicheren 
Aufputz _des Haares mit vielem Schmuck und natürlichen oder künst- 
lichen Blumen finden wir nur in der alten Tracht der Hofdamen vom 
Dienst und bei den Gezlslzzfs, den Yords und ihren Genossinnen, deren 
Tracht manchen Zug alten höfischen Prunkes bewahrt hat. In den 
Bilderbüchern und in den Lackmalereien erkennt man die eleganten 
Bewohnerinnen der Frauenhäuser des Yoskiwara, die Ozhm genannten 
Modeschönheiten desselben mit ihren stets ihnen gleich gekleideten jungen 
Zofen, den Kannero, sofort an dem Strahlenkranz blonder Schildpatt- 
nadeln, welcher ihr Haupt umgiebt. Die vielverbreitete Ansicht, die 
Schmetterlingsschleife des Gürtels werde von Hdiesen Damen" stets 
vorn statt hinten getragen, trifft nicht immer zu; provinzieller Brauch 
hat viele Abweichungen von dieser auffälligen Tracht zugelassen. 
In der Kunst des Schminkens stehen die japanischen Schönen 
hinter ihren abendländischen Schwestern nicht zurück. Wie diese das 
Poudre de riz, brauchen sie ein weifses, aus den mehligen Samen der 
jalapa bereitetes Pulver zum Bepudern von Gesicht und Hals, wobei 
sie im Nacken drei abwärts gerichtete Zacken auflegen, zwischen 
welchen zwei bis an die Haarwurzeln des Hinterhauptes reichende 
Gegenzacken in dem warmen natürlichen Fleischton ausgespart werden. 
Wie bei uns ist das übermäfsige kreidige Einpudern des Gesichtes auch 
in Japan ein Abzeichen der Mädchen des Yosizztvara. Diese erhöhen auch 
das Roth der Ohren durch Bemalen mit dem rothen Farbstoff der 
Blüthen des Safflors. Auch röthen und vergolden sie nicht nur ihre 
Lippen, sondern suchen ihnen durch Bemalung mit grüner Farbe und 
folgende Vergoldung das Farbenspiel der Goldbronze zu verleihen. Auch 
diese Sitte war ehemals den kaiserlichen Hofdamen eigen, daher es 
nichts anstöfsiges hat, wenn selbst heute noch in feinster Gesellschaft 
junge Kinder in der alten Farbenpracht, geschminkt und mit vergol- 
deten Lippen ihre vornehm einfach und dunkel gekleideten Mütter be- 
gleiten. 
Auch der Pflege ihrer schönen Zähne widmen die Japanerinnen 
grofse Sorgfalt. In den Bilderbüchern, welche sorglosem Frauenleben 
gewidmet sind, sieht man häufig junge Mädchen im Begriffe, sich die 
Zähne mit einem am Ende pinselförmig ausgefaserten Stäbchen von 
weichem Holz über einem blaubemalten Porzellankümmchen zu putzen. 
Die häfsliche, jahrhunderte lang beobachtete Sitte, dafs die Frauen 
nach ihrer Verheirathung ihre Zähne schwärzen, ist seit Kurzem im Ab- 
nehmen, in den europäisch beeinflufsten Städten schon fastgeschwunden.
        

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