Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Handwerk in Japan
Person:
Brinckmann, Justus
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1867160
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1868712
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Kunst 
Handwerk 
Japan. 
durchfeuchteten Aermel ihres Gewandes in kühner Metapher, die 
zugleich auf die Verborgenheit ihrer Liebe anspielen soll, dem Felsen, 
der selbst zur Ebbezeit nicht trocken liegt. Und in den noch um drei 
Jahrhunderte älteren Frühlingsgedichten der Blüthenlese "Kokzäzslzizz" 
begegnet uns der lange Aermel des Gewandes wiederholt in anderen 
poetischen Beziehungen. Der Dichter netzte den Aermel, als er Wasser 
schöpfte, das an ihm zu Eis erstarrte und nun vom laulichen Winde 
schmilzt; vom lieblichen Geruch der Mume-Blüthen, die er pflückte, duften 
noch seine Aermel, so dal's die Nachtigal, angelockt in seiner Nähe 
singt, und wenn die Blüthe der Mume verwelkt, ihr Duft als ein Ver- 
mächtnifs des Lenzes am Aermel noch haften wird.  
Die gewebten Gürtel, O62, der Männer bestehen aus einem 
höchstens handbreiten Bande ungemusterten und dunkelen Zeuges, 
welches, oberhalb der Hüften mehrmals um den Leib gewunden, dem 
Kimono Schlufs giebt. Nachdem der Obi gelöst, öffnet sich der weder 
durch Knöpfe noch Schnüre geschlossene Kzäzwna und läfst sich durch 
einen einzigen Ruck leicht abwerfen. Die O6z' der Frauen sind fufs- 
breite, aus einem Stück doppelt gewobene Streifen schwersten Seiden- 
stoffes. Sie werden rückwärts durch eine grofse schmetterlingsartig 
abstehende Schleife mit tief herabfallenden Enden geschlossen, sind 
oft von lebhaften Farben, mit gesticktem oder gewebten Mustern 
prächtig verziert. Besonders beliebt sind aus Rosetten und stilisirten 
Ranken in einem Grundnetz geometrischer Formen gebildete vielfarbige 
Muster, welche ihren Ursprung in China haben, ferner die regelmäfsigen 
Grundmuster, welche wir als Slzokko- und Slußpo-Muster in anderem 
Zusammenhang kennen lernen werden. 
Weifse Leibwäsche nach europäischer Art war in Japan bisher 
nicht üblich und bei dem täglichen Baden auch leichter entbehrlich. 
Die Frauen wickelten statt des Unterrockes ein langes Stück rothen 
oder blauen Baumwoll- oder Seidengewebes um die Lenden und beide 
Geschlechter trugen eine Art Weste aus schwarzer Seide um die 
Brust, wozu bei den Frauen noch ein sich über dem Busen kreuzendes 
scharlachenes oder blaues Tuch aus gekräustem Seidenkrepp kam, 
welches im Brustausschnitt des Kzänono sichtbar wurde. 
Ueber den 161420120 zieht der Mann beim Ausgehen den Haorz; 
einen eben den Leib deckenden, breitärmeligen, kragenlosen Rock, der 
über der Brust mit zwei Schnüren geschlossen werden kann. Auf dem 
in der Regel dunkelfarbigen Haori tragen die wappenberechtigten 
Männer ihr Wappen, M012, in Gestalt thalergrofser Runde, welche beim 
Färben weifs ausgespart oder eingestickt sind. In der Regel ist das 
M012 fünfmal angebracht, jederseits auf der Brust, vorn auf jedem 
Aermel und einmal zwischen den Schultern. Bisweilen wird der Rücken
        

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