Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Handwerk in Japan
Person:
Brinckmann, Justus
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1867160
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1867502
Vorwort. 
lichen und technischen Schilderungen hinausgegriffen werden. Das 
japanische Kunstgewerbe mufste in seinem Zusammenhang mit der 
Landschaft, mit der Pflanzen- und Thierwelt, mit der Religion und 
Geschichte, mit den Sitten und dem täglichen Leben der Japaner, 
mit der Baukunst und Malerei des japanischen Volkes geschildert, 
der überaus reiche Schatz der Motive der japanischen Zierkunst 
mufste1 auf seinen poetischen und historischen Inhalt geprüft und 
klargelegt, der weitreichende Einflufs der chinesischen Kunst, der 
geringfügige des Abendlandes mufste nachgewiesen werden. Nur in 
diesem Zusammenhang konnte das japanische Kunsthandwerk in seiner 
ganzen Tiefe und ursprünglichen Schönheit zum Verständnifs gebracht 
werden. 
Indem der Verfasser dieses Ziel verfolgte, durfte er hoffen, dafs 
seine Arbeit auch neben den in den letzten Jahren erschienenen Werken 
über Japan selbstständigen Werth erlangen werde. f. f. Rein hat in 
seinem trefflichen Buche „Japan" unsere geographischen, naturgeschicht- 
lichen und technischen Kenntnisse von Japan auf Grund seiner im 
Lande selbst gesammelten Erfahrungen gründlich verarbeitet. Louis 
Gonse hat in dem Werke „l'Art japonais" die Kunst und das Kunstge- 
werbe Japans geist- und begeisterungsvoll gewürdigt. William Anderson 
hat in seinem grofsen Werke „The pictorial arts of Japan" die Ge- 
schichte der japanischen Malerei von ihrer technischen und historischen 
Seite auf gelehrte und vorurtheilsfreie Weise erörtert. Zahlreiche Einzel- 
forschungen Anderer haben unser Wissen nach den mannichfachsten 
Richtungen hin vertieft und bereichert, und gleichzeitig mit dem Er- 
scheinen dieses Buches bietet S. Bzhg in Paris der gesammten Welt 
durch seinen auch in deutscher Ausgabe erscheinenden "Japanischen 
Formenschatz" einen äufserst reichen Anschauungsstoff, welcher Allen, 
denen die Anschauung der Urbilder abgeht, die vielseitigste Erkennt- 
nifs japanischer Formen und Farben zu vermitteln geeignet ist. 
Hat Rein, soweit das Kunsthandwerk in den Rahmen seines 
Buches fiel, dasselbe vorwiegend hinsichtlich der heute geübten Tech- 
niken behandelt, hat Gonse das Kunsthandwerk Japans vorzugsweise 
unter ästhetischen Gesichtspunkten betrachtet, und hat Anderson die 
Malerkunst, welche im Mittelpunkt des japanischen Kunstlebens steht, 
besonders in ihrer historischen Entwickelung dargestellt, so versucht 
das vorliegende Buch, neben der technischen, ästhetischen und histo- 
zischen Würdigung des japanischen Kunsthandwerks auch den intimen 
Zusammenhang der Erzeugnisse und Motive desselben mit der Natur 
des japanischen Landes und mit der japanischen Volksseele in einge- 
henderer Weise klarzulegen, als dieses bisher von anderer Seite ge- 
schehen ist. 
        

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