Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Handwerk in Japan
Person:
Brinckmann, Justus
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1867160
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1868652
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Kunst 
und 
Japam 
Handwerk 
S0 weit nicht neuzeitige Freigeisterei mit den alten Erinnerungen 
Kehraus gemacht hat, steht in einem der Zimmer jedes Wohnhauses 
ein kleines, Kauzzldamz genanntes Heiligthum für die häuslichen Ver- 
richtungen des Gottesdienstes. Meistens gleicht das hoch an der Wand 
auf einem Bort aufgestellte Kanzzldana einem kleinen Slzintä-Tempel 
oder dem Altar eines solchen mit seinem runden Spiegel. Bisweilen 
ist es nur ein Kästchen mit Holzstücken von einem abgebrochenen 
Kami-Tempel und anderen von einer Wallfahrt heimgebrachten Erin- 
nerungen. Schmale Holztäfelchen tragen die Namen der verehrten 
Götter und davor auf dem Borte stehen eine oder mehrere ewige 
Lämpchen und Speisetischchen, auf denen zu gewissen Zeiten die 
Speis- und Trankopfer dargebracht werden. 
Die Hausaltäre der Buddhisten, Bulsu-dana, pflegen die Gestalt 
von Heiligenschreinen zu haben, mit schwingenden Thüren verschliefs- 
bar zu sein und auf dem Boden des Zimmers zu stehen. Ein kleines 
Buddhabild thront im Hintergründe dieser Schreine, vor ihm ist die 
Ausstattung der Tempel-Altäre mit metallenen Blumenvasen, Leuchtern, 
Lampen, Ampeln und Räuchergefäfsen im Kleinen wiederholt. Auch 
vor ihnen werden Speiseopfer von allerlei Art aufgeziert und lang- 
halsige Fläschchen mit Reiswein dargebracht. 
Die Wechselseitige Toleranz zwischen den Bucldha- und Shintö- 
bekennern hat übrigens alle scharfen, in den Lehren beider beruhenden 
Unterschiede verwischt und auch der Buddha-Gläubige verbeugt sich 
händeklatschend vor dem kleinen Shintö-Heiligthum und verrichtet vor 
ihm mit allem Ernste sein tägliches Gebet. 
Wie wir die Wohnung des Japaners mit ihrer Einrichtung an 
Möbeln, Geräthen und Geiäfsen geschildert haben, so bot sie sich den 
Blicken der ersten Europäer, von denen uns Reiseberichte überliefert 
worden sind. So wurde sie von Kämpfer, so von Thunberg ge- 
sehen, und so fanden sie die Europäer, welche in unseren Tagen 
in vertrautere Berührung mit dem häuslichen Leben der Japaner traten. 
Weder die Anlage noch die Ausstattung und Einrichtung des Wohn- 
hauses hat im Laufe der letzten zwei bis drei Jahrhunderte, über 
welche neben den Schilderungen unserer Reisenden auch die alten japa- 
nischen Bilderbücher ein helles Licht verbreiten, so durchgreifende Aende- 
rungen erfahren, wie sie uns in den Wandelungen des abendländischen 
Geschmackes während dieses Zeitraumes begegnen. Reichen diese Bilder- 
bücher mit ihren Sittenbildern und Illustrationen der Vaterländischen Ge- 
schichte bis zum Anfang des I7. Jahrhunderts zurück, so gestatten uns 
Darstellungen des häuslichen Lebens auf älteren Gemälden und kunstge- 
werblichen Gegenständen, noch weiter zurückzuschauen, und entrollen uns 
alte Novellen-Sammlungen, wie die Genjz-Monogatarz, ein Bild der häus-
        

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