Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Handwerk in Japan
Person:
Brinckmann, Justus
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1867160
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1868607
Der japanische 
Hausrath. 
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füfsigen und auf einem niedrigen Lackschemel stehenden Behälter für 
glühende Kohlen, dessen obere Oeffnung durch ein kleineres Gefäfs 
gefüllt ist, in welchem wohlriechendes, zumeist mit Gewürznelken par- 
fümirtes Wasser verdunstet. Ausschnitte in den Wänden des unteren 
Gefäfses führen dem Feuer Luft zu und durchbrochene Verzierungen 
in dem Deckel des oberen gestatten dem duftenden Dampfe Abzug. 
Oft dient es als glänzendes Schaustück bei Festlichkeiten. Nicht selten 
ist es aus Silber kunstvoll ciselirt oder aus mit Silberblech plattirtem 
Kupfer getrieben. Jedoch kommen auch einfachere thönerne Gefäfse 
dieser Art, u. A. aus Satsuma-Fayence vor. Ein besonders schönes 
silbernes Tcköjzlburo der Hamburgischen Sammlung ist an anderer 
Stelle dieses Buches abgebildet. 
Oefen oder Kamine giebt es nicht. Wo die Erwärmung durch 
die Holzkohlengluth des tragbaren Jäfzäachz" im kalten Winter nicht aus- 
reicht, hilft man sich durch eine im Boden des Zimmers angebrachte 
Feuergrube, Kotalsu, welche durch ein Futter von Metall und Thon vom 
Holzwerk isolirt und im Sommer mit Brettern und Matten verdeckt ist. 
Bedarf man ihrer, so wird sie mit Asche und glühenden Kohlen ge- 
füllt und ein tischähnliches, mit einer grofsen Decke verhülltes Gestell 
darüber gesetzt. Wer sich wärmen will, kauert oder legt sich neben 
der Grube nieder, indem er die Decke über den Leib zieht, den Kopf 
aber frei läfst. Auch Nachts drängen sich die Bewohner des Hauses 
mit ihren Matrazen und Schlafröcken um die von der grofsen Decke 
zusammengehaltene Gluth dieser Grube. 
Auch die japanische Küche ist in der Regel weder mit einem 
festen steinernen Heerd noch mit einer feuersicheren Ableitung des 
Rauches ausgestattet. Den Anforderungen an die Kochkunst wird mit 
kleinen, tragbaren steinernen Heerden oder mit Feuergruben, Welche 
den zum Erwärmen der Wohnzimmer dienenden gleichen, zur Genüge 
gedient. Eine Ausnahme machen die, meistens auf dem natürlichen 
Boden eingerichteten Küchen der Theehäuser, welche mit einem aus 
Lehm aufgebauten festen Heerd ausgestattet, auch oft mit prangendem 
Geschirr lockend aufgeputzt sind. 
Die Feuerstätten mit ihren Holzkohlengluthen sind eine Haupt- 
ursache der häutigen Brände, welche die Städte heimsuchen. In Tokio 
gehören Feuersbrünste zu den täglichen Vorkommnissen und haben 
schon vor Alters zu der Redensart "Kuwajzlwa Yedo 120 lzamz da" "die 
Feuersbrunst ist Yedo's Blume" geführt. Vielfache W achtposten, deren 
senkrechte, die Dächer hoch überragende Umschau-Leitern ein auffälliger 
Zug im japanischen Stadtbilde sind, und eine wohlgeordnete Feuer- 
wehr, die mit bewundernswerthem Muthe den Löscharbeiten obliegt, 
vermögen nicht zu verhindern, dass die Flammen oft ganze Stadttheile
        

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