Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Handwerk in Japan
Person:
Brinckmann, Justus
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1867160
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1868456
und 
Kunst 
Handwerk 
Japan, 
Tages oder der Nacht werden die kleinen, leichtbeweglichen Möbel 
und Geräthe herbeigetragen und aufgestellt, um nach dem Gebrauche 
Wieder bei Seite geschafft zu werden. 
Nur in reicheren Häusern finden sich niedrige, etwa tischhohe 
Etageren, unten mit Schieb- oder Klappthüren, oben ,mit offenen, 
wechselvoll angeordneten Börtern, auf denen kleine Ziergefäfse, Lack- 
dosen oder Bilderrollen bewahrt werden. Sie bestehen, Wie alle übrigen 
Möbel, aus lackirtem Holze, meist mit Goldmalereien auf spiegelnd- 
schwarzem Grunde; ihre Ecken sind mit metallenen, gravirten Be- 
schlägen versichert und oft mit lose angehängten Seidenquasten ge- 
schmückt. 'Diese Quasten, die ganz ohne greifbaren Zweck an ihren 
metallenen Haken hängen, sind als rudimentäre Erinnerungen an eine 
nicht mehr übliche Bedeckung der Etageren-Börter mit gewebten und 
sachgemäfs bequasteten Decken zu deuten. Das im Jahre 1704 ver- 
öffentlichte Werk wTan-clzaleu-dzzgfzz" zeigt unter seinen merkwür- 
digen Farbendrucken berühmter Altsachen eine Etagere, auf deren 
wagrechte Flächen grünes, mit vielfarbigen Spiralen und Wellen-Wappen 
( T omoye-Mozz ) gemustertes Seidengewebe gelegt ist. Die in den Farben 
zum Gewebe gestimmten, bequasteten Schnüre erscheinen hier nicht in 
besondere Haken gehängt, sondern an den Seidendecken selbst befestigt. 
Gröfsere schwere Möbel oben beschriebener Anlage, wie sie in 
neuerer Zeit zu uns kommen, besonders diejenigen, deren Fülltafeln mit 
grofsen, geschnitzten Blumen- und Fruchtstücken oder Stillleben aus far- 
bigen Hölzern, Elfenbein und Perlmutter prächtig geschmückt sind, finden 
in der japanischen Wohnung alten Stiles keinen Platz und sind meistens 
nur für den abendländischen Markt gearbeitet. Dasselbe gilt von 
den hie und da noch bei uns in alten Schlössern bewahrten metall- 
beschlagenen, lackirten Zierschränken europäischer Bauart, welche die 
Holländer im I7. und 18. Jahrhundert von Japan nach Europa gebracht 
haben. Niemals wird man einem dieser Möbel in den Darstellungen 
begegnen, welche die japanischen Bilderbücher uns von den Einrichtungen 
fürstlicher oder bürgerlicher Wohnungen der letzten zwei bis drei Jahr- 
hunderte in so reicher Fülle entrollen. 
I  Ganz niedrige Etageren dienen 
 den Schriftstellern zum Bewahren der 
 Bücher, welche sie bei ihren Arbeiten 
 zur Hand haben wollen, und vor- 
  nehme Damen geben solchen Bücher- 
'ä1n  X   
l o4 x  gestellen wohl einen Ehrenplatz im 
f" S(sf x, w! - T okozzovzza des Frauengemaches, wo 
 sonst das Schwertergestell des Mannes 
Elagizre für Bücher.  Steht
        

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