Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Handwerk in Japan
Person:
Brinckmann, Justus
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1867160
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1868423
Die 
Gartenkunst 
Japänen 
der 
]'apaner sind freilich auch die bekannten Spielereien der Gärtner-Scheeren 
unserer Renaissance nicht erspart geblieben, und auch in Japan giebt 
es Gärtner, die stolz darauf sind, einen Strauch in eine Form gequält 
zu haben, bei Welcher sich an ein segelndes Schiff oder an irgend einen 
volksthümlichen Helden denken läfst. Immerhin scheint von derartigen 
Spielereien in den Gärten selbst nie grofses Aufheben gemacht zu sein. 
Wo die Bodenbeschaffenheit es gestattet, da wird bei der An- 
lage der grofsen Gärten der alte Name "Berg und Wasser" zur vollen 
Wahrheit. Vielfach vertheilte, bald schäumend aus kiefernbewachsenen 
Felsen hervorbrechende, windungsreich durch Bambusgebüsche der 
Ebene schlängelncle, zu Lotos- oder lris- bewachsenen Teichen erwei- 
terte Wasserläufe führen wieder zur Anlage mannigfacher Brücken und 
Stege, jene bald in stützenlosem oder von schlankem Bambusrohr 
getragenem hohem Bogen gespannt, bald nur als roh behauener Fels- 
block, den die Natur selbst dem Wanderer zur Brücke zu bieten 
scheint. Die Stege sind so angelegt, dafs je zwei senkrechte Pfähle 
eingerammt und oben durch ein Querholz von der zweifachen Länge 
einer Brettbreite verbunden, dann auf jedes Querholz zwei Bretter so 
befestigt sind, dafs das Ende des ersten und der Anfang des zweiten 
Brettes nicht aneinander stofsen, wie bei unseren Bootstegen, sondern 
neben einander zu liegen kommen. Davon ist die Folge, dafs die 
japanischen Stege nicht einen fortlaufenden Weg bilden, sondern bei 
jedem neuen Pfosten ihre Richtung etwas ändern. Den Stegen der 
Gartenteiche giebt man gern eine in unregelmäßigem Zickzack lau- 
fende wechselvolle Richtung, und diese Stege, mit Vorliebe solche, die 
durch ein von blaublühenden Schwertlilien dicht bestandenes Gewässer 
geführt sind, werden weiter zu einem selbständigen Motiv der Zierkunst. 
Wir begegnen ihnen auf [nrds mit erhabener Goldlack-Malerei und 
blau-roth untermalten Perlmutter-Blüthen, auf eisernen Stichblättern mit 
ausgefeiltem Schattenrifs der Stege und goldentauschirten Iris, als 
Flachmuster stilisirt in den Geweben. 
Schattende Laubgänge aus angebundenem oder verschnittenem 
Buschwerk finden sich nicht, wohl aber ausgedehnte Pergolen, welche 
durch baumartig gezogene Glycinen, deren wagerecht sich ausbreitende! 
Zweige von leichten Bambusstäben gestützt sind, gebildet werden und, 
wenn die langen lilafarbenen Blüthentrauben sich entfalten, einen den 
Naturfreund und Dichter bezaubernden Anblick gewähren. 
Strohgedeckte Schutzdächer über in das Wasser hinausgebauten 
Altanen oder auf den Gipfeln der schöne Fernsichten bietenden Hügel 
erleichtern den Genufs der Annehmlichkeiten der Gärten. Diese Garten- 
häuschen sind in der Regel auf allen vier Seiten offen (ein derartiges 
Schutzdach ist auf der Seite 37 abgebildeten flzkzZe zu sehen) oder zwei
        

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